Übernahmen
Schraube und Zieher

Es blieb wohl den Werkzeugherstellern überlassen, den nahezu perfekten Deal auszutüfteln. Stanley Works kauft den Konkurrenten Black & Decker für 3,5 Mrd. Dollar und der Abschluss lässt für die Investoren beider Unternehmen fast nichts zu wünschen übrig. Wenn es nur immer so einfach wäre.
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Das soll allerdings nicht heißen, dass keiner bei der Transaktion verliert. Mitarbeiter werden entlassen und Manager frei gesetzt werden, Fabriken werden geschlossen. Aber das ist nun einmal so in einem kapitalistischen System, das sich mitten im Abschwung befindet. Indem sie fusionieren, werden sich die beiden Heimwerker-Ausstatter in eine bessere Ausgangslage manövrieren, um gegen frisch auf den Markt drängende Hersteller aus dem Ausland ankämpfen und mit den sich konsolidierenden Einzelhändlern in Verhandlungen treten zu können.

Und beide tun dies, ohne dass sie dabei die Interessen ihrer jeweiligen Eigentümer opfern. Nehmen wir den Kaufpreis. Stanley Works begibt 1,275 Aktien für je einen Black & Decker-Titel. Dies bedeutet, dass der zusammengelegten Firma kein einziger Dollar an zusätzlichen Schulden aufgebürdet wird.

Darüber hinaus ist der Aufschlag um 22 Prozent gegenüber den Aktienkursen vom Montag gerechtfertigt. Zum einen werden die Aktionäre von Stanley Works im Besitz der Mehrheit an dem neuen Unternehmen sein. Und der Hersteller aus dem US-Bundessstaat Connecticut, der 1843 von Frederick Trent Stanley gegründet wurde, wird neun der 15 Sitze im Board stellen - und den Chief Executive. Es ist daher nur gerecht, dass die Aktionäre von Black & Decker dafür entschädigt werden, dass sie die Kontrolle abtreten.

Aber Stanley Works zahlt auf keinen Fall zu viel. Sicher, der Aufschlag beläuft sich auf einen Betrag von rund 615 Mill. Dollar über der Marktkapitalisierung von Black & Decker am Montagmorgen. Doch auch dies wird durch die Pläne der beiden Firmen mathematisch mehr als gerechtfertigt, die jährlichen Aufwendungen als Ergebnis der Fusion um etwa 350 Mill. Dollar zu kürzen.

Besteuert und diskontiert, um den Zeitwert des Geldes zu berücksichtigen, ergibt sich ein Barwert dieser Synergien von rund 1,9 Mrd. Dollar. Da die Aktionäre von Stanley Works 50,5 Prozent an der erweiterten Gruppe halten werden, entfallen auf sie 965 Mill. Dollar. Nach der Zahlung des Aufschlags an die Black & Decker-Aktionäre besteht immer noch ein Vorteil von 350 Mill. Dollar bzw. 4,40 Dollar je Aktie.

Wenn die beiden Unternehmen ihre Geschäfte so reibungslos integrieren können, wie sie den Deal eingefädelt haben, werden sich die Investoren zufrieden zurücklehnen und ihr handwerkliches Können bewundern können.

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