Übernahmen und Stellen
Die Spielregeln verändern

Unternehmen, die zwischen 2002 und 2005 von Finanzinvestoren gekauft worden sind, haben mehr Stellen geschaffen als andere Unternehmen der US-Wirtschaft. Dies zumindest ergibt eine Studie, die von Private-Equity-Lobbyisten finanziert wurde. Klingt gut. Aber die gezogenen Vergleiche und der Zeitrahmen der Studie sind fragwürdig. In einem Abschwung könnte die Geschichte ganz anders aussehen.

Private Equity-Lobbyisten wollen der Welt unbedingt zeigen, dass Finanzinvestoren Arbeitsplätze schaffen. Das amerikanische Private Equity Council hat eine Studie zweier Unternehmensberater veröffentlicht, der zufolge eine Reihe von Firmen im Besitz von Beteiligungsgesellschaften zwischen 2002 und 2007 in den USA für einen Zuwachs der Stellen um 13,3 Prozent gesorgt hat, verglichen mit einem Plus um 5,5 Prozent für die US-Unternehmen insgesamt. Die Zahl ist schlagzeilentauglich. Aber die Studie überzeugt nicht.

Zum einen scheint der gewählte Zeitrahmen zu eng gesteckt zu sein, er deckt nur einen Teil des Wirtschaftszyklus ab. Private-Equity-Firmen sind langfristige Investoren. Und selbst wenn sie nach ein paar Jahren aussteigen, kann ihr Einfluss bestehen bleiben. Unternehmen, die einen relativ hohen Anteil an Fremdkapital aufweisen, müssen in einem Abschwung vielleicht schneller Arbeitsplätze abbauen als der Durchschnitt. Sie könnten sogar pleite machen. Das Argument überzeugt nicht eher, bis in der Studie nicht ein vollständiger Wirtschaftszyklus abgebildet wird.

Darüber hinaus spielt der Beobachtungszeitraum der Studie den PE-Lobbyisten in die Hände. Finanzinvestoren suchen sich Unternehmen aus, bei denen sie sich Wachstumschancen ausrechnen. Solche Unternehmen blühen während eines konjunkturellen Aufschwungs auf, und die Wirtschaft – und die Verfügbarkeit von Krediten – ist zwischen 2002 und 2007 schnell gewachsen. Es ist keine Überraschung, dass Firmen im Besitz von Beteiligungsgesellschaften mehr Jobs geschaffen haben als die US-Unternehmen insgesamt. In die letztere Kategorie fallen nämlich auch Unternehmen aus Branchen, die im Abstieg begriffen sind, wie Textilhersteller oder Autobauer. Überzeugender wäre da ein Vergleich mit den Konkurrenten aus vergleichbaren Sektoren gewesen.

Die Studie umfasst zudem höchstens 42 Deals – das ist ein Anfang, aber kaum umfassend. Und sie unterscheidet nicht in allen Fällen, ob die neuen Jobs durch organisches Wachstum oder durch Akquisitionen hinzugekommen sind. Ein Unternehmen aus einem PE-Portfolio könnte zum Beispiel vielleicht eher Akquisitionen vornehmen – oder weniger gut bezahlte oder unsicherere Jobs anbieten. Das ist eine weitere Differenzierung, für die den Autoren der Studie nicht genug Daten vorlagen.

PE-Firmen gehen manchmal tatsächlich die Probleme im operativen Geschäft an und bringen Fremdkapital ein. Einige Portfolio-Gesellschaften mögen daher wirklich schnell Arbeitsplätze schaffen – selbst wenn genau diese Jobs dann in einem Abschwung relativ stark gefährdet sind. Diese Studie hat ihre Stärken in der Analyse, wie sich Private Equity auf die Beschäftigungssituation auswirkt. Aber ihre Unzulänglichkeiten und die Motivation ihrer Schirmherren laden zur Skepsis ein.

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