Übernahmeofferte von Rexel
Niedrigspannung bei Hagemeyer

Die Offerte des französischen Elektroteile-Großhändlers Rexel für den niederländischen Konkurrenten Hagemeyer ist deutlich freundlicher, nachdem das Angebot nachgebessert wurde. Da die Aktien von Rexel seit ihrem Börsengang im April um zwölf Prozent gesunken sind, sollte der Großhändler die Gelegenheit nun nutzen, um sich auf ein Werte schaffendes Wachstum zu konzentrieren.

Die Aktionäre von Hagemeyer wussten, dass ihnen eine Auktion vorenthalten werden würde, wenn sich die zwei größeren Konkurrenten des Unternehmens zusammenschließen und ein Übernahme-Angebot vorlegen würden. Deshalb hatte das Management der niederländischen Firma erwartungsgemäß das erste Gebot noch abgelehnt, jetzt aber schließlich doch das Handtuch geworfen. Der in Paris ansässige Elektroteile-Großhändler Rexel hat seine Offerte nur um fünf Prozent nachgebessert, aber das hat ausgereicht, um in exklusive Verhandlungen zu treten.

Das heißt jedoch nicht, dass die Aktionäre des niederländischen Elektroteile-Händlers Grund zur Klage haben. Sie werden immerhin einen vernünftigen Aufschlag um 26 Prozent gegenüber dem von Übernahmespekulationen unberührten Aktienkurs vom Frühjahr erhalten. Tatsächlich wird Rexel, so wie es aussieht, einen hohen Preis dafür zahlen, um einfach nur der Weltmarktführer der Branche zu bleiben. Der Primus hatte sich erst in den Kampf gestürzt, nachdem die zweitplatzierte Sonepar, eine private französische Gesellschaft, als Erste ihr Interesse an Hagemeyer bekundet hatte. Jetzt wird Rexel 60 Prozent der Beute behalten, wobei der restliche Anteil zum gleichen Preis an Sonepar zurückverkauft wird.

Die jüngste Offerte von Rexel über 4,85 Euro je Aktie bewertet Hagemeyer mit dem Zwölffachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für 2008 - das ist um 50 Prozent höher als Rexel gehandelt wird. Also in keiner Hinsicht ein Schnäppchen. Aber die niederländische Firma befindet sich mitten in einer Phase, in der sie nach roten wieder schwarze Zahlen schreiben wird, und ihre Betriebsgewinnspanne ist viel niedriger als die von Rexel – in einer Branche, in der Synergien von Bedeutung sein können. Das französische Unternehmen hat sich bei Akquisitionen schon oft bewährt und es kann davon ausgegangen werden, dass es Hagemeyer schnell integriert.

Zu den eigenen Aktionären war Rexel allerdings bei weitem nicht so gut, wie sich in der mageren Entwicklung des Aktienkurses seit dem Börsengang im April widerspiegelt. Davor hatte die Firma für die Beteiligungsgesellschaften Wunder bewirkt, die das Unternehmen 2005 vom Einzelhandels- und Luxusgüterkonglomerat PPR gekauft hatten und die immer noch mit 75 Prozent an Rexel beteiligt sind. Aber auch Rexel ist in die Krise auf dem US-Immobilienmarkt verstrickt. Der Aktienkurs war deshalb im August abgestürzt und hat sich seitdem nicht mehr erholt. Rexel will jedoch die US-Aktiva von Hagemeyer an Sonepar verkaufen und nur deren europäischen Bereiche behalten. Damit sollten die Unwägbarkeiten der US-Wirtschaft einen geringeren Einfluss auf die Geschäfte von Rexel haben. Vielleicht bemerken die Aktionäre das ja.

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