UK Stimulus
Brown, der Sargnagel

Konsumieren und Sparen mit Brown! Diese Botschaft sandte der britische Premier Gordon Brown den Oberhäuptern der Welt. Doch seine Kampagne zielt eher darauf ab, seine eigene Haut zu retten, als die Welt. Im Endeffekt gefährdet er die Weltwirtschaft.
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Konsumieren und Sparen mit Brown! Diese Botschaft sandte der britische Premier Gordon Brown den Oberhäuptern der Welt. Doch seine Kampagne zielt eher darauf ab, seine eigene Haut zu retten, als die Welt. Im Endeffekt gefährdet er die Weltwirtschaft.

Brown denkt, die Welt sei dank der Defizitfinanzierung im „zögerlichen Aufschwung“ – und könnte sich komplett erholen, würden die Regierungen die versprochenen fünf Billionen Dollar an Finanzspritzen erteilen, anstatt nur die Hälfte. Doch Großbritannien selbst liefert das beste Gegenargument.

Brown ist Europas größter Stimulator, als Beweis dient eine Netto-Staatsverschuldung von 33 Prozent des BIPs. Doch die kostspieligen britischen Stimuluspakete blieben praktisch folgenlos. Die Senkung der Mehrwertsteuer um 2,5 Prozent wird die Regierung etwa 14 Mrd. Pfund kosten und wurde schon im Vorfeld als nutzlos erachtet. Der britischen Wirtschaft geht es schlechter als der weit weniger geförderten französischen.

Überall zeigt sich, dass Finanzhilfen weit geringer wirken, als geldpolitische Maßnahmen. Die Gebührenkürzungen der BoE ersparen den Briten jährlich etwa 26 Mrd. Pfund an Zinsen. Die langfristigen Kosten? Null. Dadurch angehäufte Schulden? Null. Korrigierbar? In jeder BoE Vorstandssitzung.

Derweil verdoppelte Brown innerhalb weniger Jahre die britische Staatsverschuldung. Es könnte zwei Dekaden dauern, das wiedergutzumachen. Große Steuererhöhungen und radikale Ausgabenkürzungen der Regierung wirken nicht gerade positiv. Und Investoren werden sich durch Browns Vorhersage von Steuererhöhungen und niedrigem Konsum kaum angelockt fühlen.

Die Verschwendung hat nicht nur Langzeitfolgen. Erholt sich die Wirtschaft, steigert eine hohe Verschuldung das Inflationsrisiko. Das führt zu höheren Rentenerträgen und somit teureren Geschäftskrediten und Hypotheken. Auch die Zentralbanken würden die Zinsen für kurzfristige Anleihen erhöhen.

Mit anderen Worten: ein nutzlose Geldverbrennung könnte sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken, vielleicht eine weitere Rezession auslösen und sogar eine Depression ermöglichen. Browns als Umsicht getarnte Verschwendungssucht sollte geächtet werden.

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