Umschuldung
Rückkäufe von Schulden sind in Mode

Alliance Boots hat einige ihrer Schuldtitel zu fast nur noch der Hälfte des Nennwerts zurückgekauft. Unter den fremdfinanzierten Deals in Europa könnte Boots der größte gewesen sein. Doch das Unternehmen hat immer noch die finanziellen Ressourcen, um in Geldnot geratene Käufer von Schuldtiteln auszunutzen. Andere Unternehmen werden nicht ewig damit warten können, es Alliance Boots gleich zu tun.
  • 0

Während des Booms waren Aktienrückkäufe der letzte Schrei. Im Niedergang sind jetzt Rückkäufe von Schuldtiteln ganz groß in Mode.

Alliance Boots, die 2007 im größten fremdfinanzierten Übernahmedeal Europas für elf Mrd. Pfund Sterling an den Finanzinvestor KKR ging, hat auf dem Sekundärmarkt einen Teil ihrer Schuldtitel zu beträchtlichen Abschlägen gegenüber dem Nennwert zurückgekauft. Die Pharmahandelsgruppe steht damit nicht alleine da. Eine wachsende Zahl von Unternehmen, die sich einer annehmbaren finanziellen Verfassung erfreuen, nutzen die Schwierigkeiten aus, die in einigen Sektoren der Kreditmärkte entstanden sind.

Boots hat eigene Schuldtitel, meist Mezzanine-Finanzierungen, über 418 Mill. Pfund zu etwa der Hälfte des Nennwerts zurückgekauft oder hat dazu Vereinbarungen getroffen, geht aus dem Jahresbericht hervor. Die Canary Wharf Group, der Londoner Gewerbeimmobilienentwickler, hat jüngst angeboten, Hypothekenpapiere, die nicht vor 2037 fällig sind, über bis zu 185 Mill. Pfund zu 15 bis 50 Prozent des Nennwerts zurückzunehmen. Die dänische Telekomgesellschaft TDC hat ebenfalls eine Hand voll vorrangige Notes mit Fälligkeit 2016 für 270 Mill. Euro zurückgekauft - ebenfalls unter pari.

Der Rückkauf von Schuldtiteln ist ein kostenwirksamer Weg für Unternehmen, ihren Verschuldungsgrad zu reduzieren, vorausgesetzt die Firma hat Zugang zu Liquidität. Die globalen wirtschaftlichen Verwerfungen haben dazu geführt, dass die Zahl der in Not geratenen Unternehmen gestiegen ist. Aber gleichzeitig haben sie auch dafür gesorgt, dass Schuldtitel auf dem Sekundärmarkt für alle Kreditnehmer unter dem Nennwert gehandelt werden. Selbst die Papiere eigentlich "robuster" Firmen werden mit Abschlägen von etwa 70 bis 90 Prozent des Nennwerts gehandelt. Boots ist bis unter die Halskrause mit Schulden beladen. Aber ein starkes Gewinnwachstum im vergangenen Jahr lässt darauf schließen, dass die Firma immer noch in der Lage ist, ihre Schuldenlast zu stemmen.

Die Frage ist, warum Käufer von Schuldtiteln, die diese zu pari erworben haben, bereit sind, zu diesen Preisen zu verkaufen. Ein Grund besteht darin, dass viele von ihnen selbst in Geldnot geraten sind. In die Ecke gedrängte Hedge Fonds, die mit Zahlungsterminen konfrontiert sind, können solchen Angeboten kaum widerstehen. Banken, die ihre Engagements wertberichtigt haben, wollen die Titel nicht halten, bis sie sich vielleicht erholen.

Doch der Rückkauf von Schuldtiteln kommt gewöhnlich nicht allzu oft vor, da nicht alle Investoren einen schnellen Ausweg suchen. Unternehmen, die die Gelegenheit beim Schopfe packen wollen, sollten handeln, wenn sie können. Die Chance wird sich nicht dauerhaft bieten.

Kommentare zu " Umschuldung: Rückkäufe von Schulden sind in Mode"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%