Umschuldung: Ungemütliche Zeiten für Kreditnehmer

Umschuldung
Ungemütliche Zeiten für Kreditnehmer

Die Strategie hört sich riskant an: Jemanden, der einem Geld schuldet, an den Rand der Pleite treiben. Aber genau das scheinen die Gläubiger gerade mit einigen ins Trudeln geratenen Unternehmen, die in der Bonitätsbewertung auf Junk-Status abgerutscht sind, vorzuhaben. Die Kapitalgeber haben gute Gründe für dieses Vorgehen.

Es hört sich riskant an, jemanden, der einem Geld schuldet, an den Rand der Pleite zu treiben. Aber genau das scheinen die Gläubiger gerade mit einigen ins Trudeln geratenen Unternehmen, die in der Bonitätsbewertung auf Junk-Status abgerutscht sind, vorzuhaben. Die Kapitalgeber haben nur allzu gute Gründe für dieses Vorgehen. Für mit Fremdkapital überladene Kreditnehmer sind das schlechte Neuigkeiten.

Die Kreditanbieter zwingen die Darlehensnehmer, die gegen die Kreditvertragsklauseln verstoßen oder die mit dem Schuldendienst in Verzug geraten, einen Strafzins von durchschnittlich 0,83 Prozentpunkten dafür zu zahlen, dass sie an ihren Krediten herumdoktern, um einen Ausfall zu vermeiden, berichtet Standard & Poor’s. Damit ist der Zinsaufschlag fast viermal so hoch wie vor sechs Monaten. Die zusätzlich erhobene einmalige Gebühr, die Gläubiger für eine derartige Umstrukturierung eines Kredits verlangen, ist ebenfalls um fast das Dreifache gestiegen.

Hier geht es nicht nur darum, dass die Banker jetzt den Spieß gegenüber die Übernahme-Barone umdrehen. Die Firmenkäufer hatten die offensichtliche Rückgratlosigkeit der Banken vor der Kreditkrise ausgenutzt. Obwohl es jetzt nur wenige Optionen für eine Refinanzierung gibt, haben die Kreditgeber jetzt eindeutig die Oberhand.

Zudem erhalten bevorrechtigte Gläubiger, abhängig von den juristischen Feinheiten der einzelnen Kredite, manchmal auch während einer Insolvenz weiterhin Zinsen. Wenn also ein Kreditgeber der Meinung ist, die Forderung sowieso fast vollständig eintreiben zu können – und das ist üblicherweise bei vorrangigen Krediten, bei denen man als Erster Zugriff auf die Vermögenswerte eines Unternehmens hat, eine vernünftige Annahme – dann hat er wenig dabei zu verlieren, wenn er die Zinssätze nach oben schraubt.

Und es besteht durchaus auch die Möglichkeit, dass der Knoten platzt, wenn ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommt. Denn Händler, die sich gegen einen Zahlungsausfall auf dem Kreditderivate-Markt abgesichert haben, müssen vielleicht, wenn der Ausfall tatsächlich eintritt, in den Besitz der Kredite eines Unternehmens kommen, um sie dem Verkäufer der Absicherung zu liefern. Das könnte dazu führen, dass ein in Schwierigkeiten geratener Kredit plötzlich heftig nachgefragt und sein Preis infolgedessen stark ansteigt, wenn der Schuldner Insolvenz beantragt.

Darüber hinaus, werden mehr und mehr zweifelhafte Darlehen von Hedge Fonds und von auf notleidende Kredite spezialisierten Investoren aufgeschnappt, anstatt von geduldigeren Banken gehalten zu werden. Die Unternehmen, die die günstigen Bedingungen auf dem Kreditmarkt ausgenutzt haben, um sich bis über beide Ohren mit Fremdkapital zu beladen, könnten die Erfahrung machen, dass diese neue Art von Gläubigern viel eher bereit ist, sie unter Druck zu setzen.

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