UN Klimagipfel
Vertraut dem Markt

Die Delegierten des UN-Klimagipfels könnten in der Lage sein, sich auf globale Emissionsziele zu verständigen. Sie sind aber noch weit davon entfernt, sich darüber zu einigen, wie ihre Versprechungen finanziert werden sollen. Dabei wäre ein weltweit handelbares Quotensystem der beste Weg.
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Die Stimmung ist plötzlich besser in Kopenhagen, nachdem die Vereinigten Staaten die Klimakonferenz offenbar ernst nehmen. Es ist aber viel zu früh, in Bezug auf die Ergebnisse des Gipfels optimistisch zu sein. Sie zählen wenig, wenn die Teilnehmer sich nicht über eine Finanzierung ihrer feierlichen Versprechen einigen können.

Die Delegierten könnten zwar in der Lage sein, sich mit Zugeständnissen an der einen oder anderen Stelle auf die Umrisse einer weltweiten Vereinbarung über Emissionsziele zu einigen. Bei der Finanzierung bleibt aber noch vieles offen. Die Entwicklungsländer brauchen massive Hilfe, um ihr Bemühen um den Kohlendioxid-Handel voranzubringen. Die zehn Milliarden US-Dollar, die die reichen Länder auftreiben könnten, erscheinen kläglich, wenn man sie mit den 150 Milliarden US-Dollar vergleicht, die nach Expertenmeinung bis zum Jahr 2020 benötigt werden. Um auch nur annähernd diese Summe zusammenzubringen, müssten Anreize für den privaten Sektor eine größere Rolle spielen als öffentliche Großzügigkeit.

Wenn die Kopenhagener Gipfelstürmer Erfahrung nutzen wollen, wäre das viel geschmähte Kyoto-Protokoll ein guter Anfang. In den letzten zehn Jahren gab es viele Experimente, manche lokal und andere regional, einige halbwegs erfolgreich und andere sehr enttäuschend, aber aus allen kann man etwas lernen. Gebraucht wird eine Verständigung über allgemeine Prinzipien, die etwas Raum lassen für nationale Anpassungen.

Delegierte und Experten werden einmal mehr über die relativen Vorzüge von Kohlendioxid-Steuern und auf Emissionshandel basierenden Mechanismen debattieren. Eine Steuer würde dem privaten Sektor geben, was er für langfristige Investitionspläne am dringendsten braucht, nämlich eine Berechenbarkeit der Kohlendioxid-Kosten. In den USA steht eine globale Kohlendioxid-Steuer aber für politischen Selbstmord, weswegen jede Diskussion darüber rein akademisch wäre.

Damit bleiben handelbare Quoten übrig. Wenn den Schwellenländern höhere Quoten zugewiesen würden, als sie derzeit brauchen, könnte sich ein Markt entwickeln. Die ärmeren Länder könnten Emissionsrechte an reichere Staaten verkaufen, was einen großen Wohlstandstransfer von der entwickelten Welt in die Entwicklungsländer zur Folge hätte. Solange Emissionsziele bindend, langfristig angelegt und damit berechenbar sind, würden Vereinbarungen entlang dieser Grundsätze die Abschlusserklärung von Kopenhagen nicht zur herzerwärmend machen, sondern auch dazu beitragen, den Planeten abzukühlen.

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