Unicredit
Kratzer im Heiligenschein

Unicredit sammelt frisches Kapital über 6,6 Mrd. Euro ein, obwohl der Chef der italienischen Großbank, Alessandro Profumo, zuvor erklärt hatte, dies werde nicht nötig sein. Durch eine Dividendenkürzung und eine Bezugsrechtsemission, abgestützt durch eine Wandelanleihe, wird die Bank besser mit Kapital ausgestattet sein als sie dies nach ihren eigenen Worten sein müsste. Aber Profumo – und Unicredit – haben entscheidend an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Alessandro Profumo ist nicht der erste Bankenchef, der eine Kehrtwende hinlegt, seitdem die Kreditkrise zugeschlagen hat. Aber seine abrupte Umkehr könnte als eine der unschöneren gelten. Unicredit, die italienische Bank, an deren Spitze Profumo steht, sammelt frisches Kapital über 6,6 Mrd. Euro - ein paar Tage nachdem er erklärt hatte, es bestünde für das Institut keine Notwendigkeit, die Märkte anzuzapfen. Die Aktionäre haben sich zwar schon bereit erklärt, in ihre Taschen zu greifen. Aber Profumo - und Unicredit - haben entscheidend an Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Unicredit will ihr Kapital in zwei Schritten erhöhen. Zunächst einmal will sie ihre Dividende für 2008 nicht in bar, sondern in Form von Aktien ausschütten. Damit werden dem Kernkapital von 32 Mrd. Euro per Ende Juni 3,6 Mrd. Euro hinzugefügt. Dann will die Bank neue Aktien im Wert von drei Mrd. Euro begeben und diese zuerst ihren Aktionären zum Marktkurs vom Freitag anbieten. Was übrig bleibt, soll in eine Wandelanleihe ohne Laufzeitbegrenzung verpackt werden, die einen Kupon von fast zehn Prozent trägt und von den Aufsichtbehörden und Rating-Agenturen als Eigenkapital angesehen wird.

Der Plan enthält zwei positive Aspekte. Erstens wird Unicredit dann besser mit Kapital ausgestattet sein, als sie es nach ihren eigenen Worten sein müsste. Die Kernkapitalquote, mit der üblicherweise die Zahlungsfähigkeit einer Bank gemessen wird, dürfte zum Jahresende 6,7 Prozent erreichen verglichen mit dem vorhergehenden Ziel von 6,2 Prozent. Zweitens hat Unicredit etwa 20 Aktionärsinstitute überredet, praktisch zu garantieren, dass sie die Wandelanleihe schlucken werden. Es besteht daher keine Notwendigkeit dafür, Konsortialbanken großzügige Gebühren zukommen zu lassen.

Doch all dies mag immer noch nicht ausreichen, um dem heftigen Hin und Her der Unicredit-Aktien ein Ende zu bereiten. Die Bank hat bereits drei Mrd. Euro an Notfallliquidität für die Hypo Real Estate zugesagt, die ehemalige Tochter des deutschen Unicredit-Ablegers HVB, zu deren Gegenparteien die Bank immer noch zählt. Wenn sich die Probleme bei der Hypo Real Estate weiter ausbreiten, könnte dasselbe mit dem Anteil der Unicredit an deren Rettungsplan geschehen. Außerdem kommen aus Osteuropa beunruhigende Nachrichten, wo Unicredit eifrig Hypothekendarlehen für Wohnimmobilien vergeben hat.

Auch Profumo selbst ist nach seiner peinlichen Kehrtwende noch nicht wieder über jeden Zweifel erhaben. Auf den Unicredit-Chef waren Lobeshymnen dafür gesungen worden, dass er der Bank außerhalb Italiens - mit seinem byzantinischen Bankensystem und seinen überzogen strengen Konventionen für die Kreditvergabe - zu Wachstum verholfen hat. Damals war dies auch sinnvoll. Aber da sich die Aktionäre jetzt von jeglichem Risiko abwenden, sieht die Weisheit einer solchen Strategie - die, wie Profumo selbst zugibt, auch eher eingeschränkte Sorgfaltsprüfungen beinhaltete - angreifbar aus. Es wird mehr nötig sein als nur Kapital, um den Heiligenschein von Sankt Alessandro wiederaufzupolieren.

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