Unilever
Nestlés Verlust, Unilevers Gewinn

Paul Polman kam zu kurz, als es um den Spitzenplatz bei Nestlé ging. Nun wird er der erste Chef von Unilever, der nicht aus dem Unternehmen kommt. Er wird die internen Kandidaten, die er im Rennen um den Posten ausstach, aus dem Abseits holen müssen. Doch die Erfahrung bei Nestlé und P&G sollte ihm helfen, seinem neuen Arbeitgeber etwas dringend benötigten Schwung zu geben.

Es scheint so, als könnte Nestlés Verlust zu einem Gewinn für Unilever werden. Als es um die Spitzenposition bei Nestlé ging, wurde Paul Polman übergangen. Nun wird er als erster von außen kommender Chef Unilever führen, den Hersteller von Dove-Pflegeprodukten, Hellmann’s Majonäse und Ben & Jerry’s Eiscreme. Der Niederländer steht vor großen Herausforderungen. Doch seine Erfahrung bei den Rivalen Nestlé und Procter & Gamble sollte ihm dabei helfen, seinem neuen Arbeitgeber etwas dringend benötigten Schwung zu verleihen.

Der Abgang des aktuellen Konzernchefs Patrick Cescau zum Jahresende war erwartet worden. Er verbrachte 35 Jahre beim weltweit zweitgrößten Konsumgüterproduzenten, die letzten vier Jahre auf dem Chefsessel. Doch die Auswahl eines externen Kandidaten ist ein großer Umschwung für ein Unternehmen, dass traditionell seine Talente von der Ausbildung bis zum Grab pflegte.

Eine der ersten Aufgaben für Polman wird darin bestehen, mit dem Groll jener Unilever-Führungskräfte umzugehen, die es nicht auf die Spitzenposition schafften. Manvinder Singh Banga, der Leiter der Körperpflege- und Lebensmittelsparte, sowie Harish Manwani, als Leiter zuständig für die Schwellenmärkte, wurden allgemein als Kandidaten gehandelt.

Doch der Verwaltungsrat tat gut daran, das Risiko eines internen Umbruchs einzugehen. Eine externe Perspektive ist genau das, was Unilever braucht. Und die Erfahrung Polmans bei erfolgreicheren Wettbewerbern ist besonders willkommen. Cescau hinterließ als Vermächtnis verbesserte Umsätze und Gewinnspannen sowie die Abwehr aller Rufe nach einer Aufspaltung. Trotzdem entwickelte sich der Aktienkurs von Unilever in den vergangenen zehn Jahren deutlich schlechter als der Kurs von beweglicheren europäischen Konkurrenten. Unilever wird zum 15fachen der für 2009 erwarteten Gewinne gehandelt und bleibt damit hinter dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 zurück, dass Nestlé und Danone aufweisen.

Die neue Führungskraft wird versuchen, Unilever etwas von der Vitalität der Rivalen einzuimpfen. Die schwache weltweite Wertschöpfungskette und das relativ schwache Gesundheitsnahrungs-Geschäft sind die ersten Baustellen. Dann gibt es noch die USA. Polman leitete die Nestlé-Geschäfte in Amerika, wo Unilever gerade kürzlich im Waschmittelmarkt das Handtuch warf. Die Marken des Hauses konnten nicht mit Marktführer P&G mithalten. Dieses Spiel könnte nun in eine zweite Runde gehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%