Unternehmensanleihen
General Electric: Ratings einfach ignorieren

GE erfreut sich einer Bonitätsbewertung von „AAA“ – aber die Märkte scheinen sich nicht darum zu kümmern. Die Schuldtitel des Mischkonzerns werden am unteren Ende des Bereichs für erstklassige Papiere gehandelt. Teilweise ist dies auf technische Faktoren zurückzuführen. Aber die Entwicklung zeigt auch, wie irrelevant Ratings geworden sind.

Ist General Electric einer der wenigen verbliebenen US-Kreditnehmer, der als fast risikolos zu bezeichnen ist? Oder bewegt sich der Mischkonzern doch eher fast auf Schrottniveau? Aufgrund seiner Bonitätsbewertung von "AAA" müsste der in Fairfield ansässige Riese eigentlich mühelos der ersten Kategorie zuzuordnen sein. Das Problem dabei ist nur, dass viele der Investoren, die echtes Geld auf den Hersteller setzen, dessen Produktpalette von Motoren bis hin zu Mikrowellenherden reicht, hinsichtlich seiner Kreditwürdigkeit eher zu letzterem tendieren.

Einige der Bonds des Unternehmens mit einer längeren Laufzeit werden auf einem Level gehandelt, das eher den Ratings am unteren Ende erstklassig eingestufter Anlagepapiere entspricht. Doch schwerer wiegt, dass die jährlichen Kosten für eine fünfjährige Versicherung gegen einen Zahlungsverzug des GE GE-Finanzbereichs, Capital, etwa das Zehnfache anderer mit "AAA" bewerteter Unternehmen wie Johnson & Johnson und Exxon Mobil betragen , wie aus von Bloomberg gesammelten Zahlen hervorgeht.

Tatsächlich gehen die Teilnehmer an den Credit Default Swap-Märkten, mit Hilfe derer Ausfallrisiken gehandelt werden können, davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsverzugs bei GE Capital beträchtlich höher ist als das Risiko weniger positiv bewerteter Finanzfirmen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley oder des Branchenrivalen Siemens - selbst wenn auch die deutsche Firma eine niedrigere Bonitätseinstufung vorweist.

Natürlich werden hier nicht Äpfel mit Äpfeln verglichen. Die Investmentbanken haben gerade Kapitalspritzen durch die US-Regierung erhalten. Und GE verfügt über viel mehr umlaufende Schuldtitel als etwa Johnson & Johnson.

Zudem waren die Anleihekurse bei geringem Handelsvolumen Schwankungen ausgesetzt. Und Credit Default Swaps können bei einer starken Marktbelastung ungewöhnliche Muster ausbilden - auch wenn die betreffenden Papiere von GE Capital allgemein nachgefragt werden und ein gutes Stimmungsbarometer abgeben sollten.

Und doch gibt es gute Gründe für die Besorgnis der Marktteilnehmer. Das Finanzgeschäft von GE, auf das im vergangenen Jahr die Hälfte der Gewinne des Konglomerats entfallen war, ist von steigenden Kreditkosten, von Bedenken über den Zugang zu Kapital und Kreditverlusten gebeutelt worden.

Die Rating-Könige Moody?s und Standard & Poor?s halten hartnäckig daran fest, dass der Mischkonzern ihre Bestnoten verdient. Natürlich hatten sie dies vor gar nicht allzu langer Zeit auch über einige Kreditversicherer und von Subprime-Hypothekentiteln beladenen Collateralised Debt Obligations, also von Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, verlauten lassen.

Diese Fehler hatten schließlich zu Verlusten über hunderte Milliarden Dollar beigetragen und die Glaubwürdigkeit der Rating-Agenturen in Grund und Boden gestampft. Daher ist es kein Wunder, wenn die Kredit-Orakel jetzt einfach ignoriert werden. Und wenn man ihre Einsätze betrachtet, dann wären auch die GE-Aktionäre gut beraten, wenn sie skeptisch blieben.

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