Unternehmensgewinne
Globale Abkühlung

Die Analysten haben sich aufgemacht, die Marktentwicklung einzuholen. Sie reduzieren ihre Prognosen für die Unternehmensergebnisse jetzt wöchentlich. Zum großen Teil ist das auf den möglichen Eintritt einer US-Rezession zurückzuführen. Das sind keine guten Vorzeichen für die Aktienkurse.

Die Ergebnisse von US-Unternehmen dürften nach Einschätzung von Analysten im letzten Quartal 2007 im Vorjahresvergleich um mehr als 20 Prozent fallen, berichtet Reuters Estimates. Gerade einmal vor vier Monaten waren sie davon ausgegangen, die Unternehmensgewinne würden um mehr als zehn Prozent steigen. Bis jetzt hat sich der unnachgiebige Gewinnschwund auf den taumelnden Finanzsektor konzentriert. Aber wenn sich eine Rezession in den USA herausbildet, werden andere Sektoren höchstwahrscheinlich folgen.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für die globale Gewinnentwicklung im Gesamtjahr 2008 ab. Die Experten gehen immer noch von einem globalen Gewinnwachstum um 13 Prozent für 2007 aus, schreibt Citigroup. Doch immer wenn die US-Wirtschaft eine Rezession durchlaufen hat, sind die weltweiten Firmengewinne um durchschnittlich mehr als 30 Prozent gefallen. Jeder, der sich nicht bedingungslos dem neuen Modell einer abgekoppelten Weltwirtschaft verschrieben hat und der denkt, die USA steuerten auf eine Rezession zu, sollte sich innerlich schon einmal auf beträchtlich niedrigere Unternehmensgewinne einstellen als sie derzeit vorhergesagt werden.

Das könnte zu weiteren Verlusten bei den Aktienkursen führen. Der durchschnittliche Rückgang auf den globalen Aktienmärkten während der US-Rezessionen seit 1970 lag bei 36 Prozent, hat Citigroup ermittelt. Seit den Höchstständen im vergangenen Juli hat sich der MSCI World-Index um rund 15 Prozent abgeschwächt. Das ist weniger als die Hälfte eines „durchschnittlichen“ Ausverkaufs.

Sicher erscheinen die Aktien nicht einmal annähernd so teuer wie am Anfang der US-Rezession von 2001. Das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis etwa, das der World-Index abbildet, sieht bei einem Vielfachen von 15 vernünftig aus – viel niedriger war es seit der ersten Hälfte der achtziger Jahre für einen längeren Zeitraum auch nicht gefallen. Aber das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das ungefähr in der Mitte einer 30jährigen Vergleichsspanne liegt, ist schon nicht mehr so beruhigend niedrig.

Darüber hinaus tendieren die weltweiten Aktienmärkte historisch gesehen dazu, während der ersten Hälfte einer US-Rezession ihre schlimmsten Kursverluste hinzulegen. Wenn wir schon mitten drin sind und der Abschwung ein Jahr anhält – das wäre in etwa der Durchschnitt -, dann könnte die Talsohle für die globalen Märkte erst in einigen Monaten erreicht sein.

Die Investoren im US-Rezessionslager sehen sich gleich mit zwei misslichen Lagen konfrontiert. Die erste Frage ist, wohin sie in der Zwischenzeit mit ihrem Geld gehen sollen – Cash zum Beispiel wirft keine große Rendite ab. Die zweite Frage ist, wann man wieder einsteigen sollte. Die zweite Hälfte einer US-Rezession wird ganz typisch mit steigenden globalen Märkten in Verbindung gebracht, schreibt Citigroup. Um zu erkennen, wann die Märkte die Talsohle erreicht haben, wartet man vielleicht besser ab, bis die Gewinnprognosen der Analysten nicht mehr weiter sinken.

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