Unternehmensnachfolge
Das Verfallsdatum ist abgelaufen

Irgendwann muss jeder einmal abtreten. Monolithen wie Microsoft bieten ihren Gründern die nötige Stabilität, um die Unternehmensübergabe gemächlich gestalten zu können. Kleineren, fragileren Firmen fehlt dieser Luxus. Die Implosion von Yahoo zeigt, was passieren kann, wenn ein Stabwechsel falsch gehandhabt wird.

Irgendwann muss jeder einmal abtreten - selbst den Technologie-Moguln können die Energie und neue Ideen ausgehen. Aber die Gründer von Unternehmen sind oft versucht, immer noch einen weiteren Produktzyklus dranzuhängen. Oder sie ignorieren die Nachfolgefrage einfach völlig. Damit sind sie schlecht beraten - die Fähigkeiten, die man braucht, um eine erfolgreiche Firma auf den Weg zu bringen, unterscheiden sich oft stark von den Talenten, die für die Führung eines ausgereiften Unternehmens nötig sind.

Zugegeben, einigen gelingt es, den Übergang gelassen über die Bühne zu bringen. Bill Gates, zum Beispiel, hatte zuerst im Jahr 2000 Steve Ballmer die Zügel für das Tagesgeschäft bei Microsoft in die Hände gelegt. Er selbst machte als Chairman weiter und gewährte der Firma dadurch ein gewisses Maß an Kontinuität. Gates konnte sich auf seinem übergeordneten Posten aus den Alltagshändeln heraushalten und hier und da wertvolle strategische Einsichten beisteuern, während sich Ballmer einarbeitete. Da dieser Prozess nun abgeschlossen ist, wird sich Gates im Juli komplett zurückziehen. Und Ballmer hat angekündigt, innerhalb der kommenden zehn Jahre abzutreten.

Die Marktdominanz von Microsoft verlieh dem Unternehmen genug Stabilität für einen solch gemächlichen Stabwechsel. Kleineren, fragileren Unternehmen ist dieser Luxus nicht gegönnt. Die Implosion von Yahoo zeigt, was passieren kann, wenn die Überleitung falsch gehandhabt wird.

Jerry Yang, Mitbegründer der Internet-Firma, hatte sich im vergangenen Sommer wieder die Kontrolle an der Spitze gesichert, nachdem er sich mehrere Jahre zuvor zurückgezogen hatte. Seine zweite Amtszeit auf dem Chefsessel war nicht vom Glück verwöhnt. Das Unternehmen hat stetig Marktanteile beim Geschäft mit der Internet-Suche verloren. Einige Aktionäre sind verärgert darüber, dass Yahoo das großzügige Übernahme-Angebot von Microsoft abgelehnt hat. Und jetzt verlassen die Spitzenmanager die Firma in Scharen. Allein in der vergangenen Woche hat Yahoo eine Reihe von maßgeblichen Führungskräften verloren, darunter Jeff Weiner, den Leiter für Netzwerke, und Qi Yu, ein Getreuer von Yang, der für die Ausarbeitung des Panama-Systems zum Verkauf von Web-Werbung verantwortlich war.

Der neue Umstrukturierungsplan von Yahoo zielt darauf ab, die auf absurde Weise verwirrende Struktur der Firma zu zentralisieren. Das wäre an sich ja eine gute Sache. Aber Yangs zukünftige Rolle in der Firma, die ohnehin schon etwas verschwommen ist, wird von Tag zu Tag nebulöser. Die Offerte von Microsoft hatte ihm die Gelegenheit geboten, sich in Würde zu verabschieden - und er hat sie nicht genutzt. Die Gründer sollten nicht mehr in ihren Unternehmen herumsitzen, wenn ihr Verfallsdatum schon abgelaufen ist.

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