Unternehmensskandale: Auf den Boom folgen die Skandale

Unternehmensskandale
Auf den Boom folgen die Skandale

Investoren können sicher sein, dass auf den Millardenbetrug bei der Société Générale weitere Skandale folgen werden. Das lehrt die Geschichte. Denn wenn Boom-Zeiten zu Ende gehen, werden die Betrügereien aufgedeckt. Man denke nur an Enron, Worldcom und Parmalat nach dem Platzen der spekulativen Internet-Blase. Wer wird der Nächste sein?

Der Betrug bei Société Générale über fünf Mrd. Euro mag wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen sein. Der nächste große Betrugsfall nicht mehr. Es ist eines der ehernen Gesetze des Finanzwesens, dass, wenn Boom-Zeiten zu Ende gehen, die Skandale folgen. Man denke nur an Enron, WorldCom, Tyco und Parmalat – um nur einige zu nennen, – nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war. Oder an Drexel Burnham am Ende des Booms in den achtziger Jahren, oder an die Investmenttrust-Implosionen von Goldman Sachs in den zwanziger Jahren.

Es handelt sich um das, was der im vergangenen Jahr verstorbene Ökonom J. K. Galbraith als “Schwund“ bezeichnet hat: den „Bestand unentdeckter Unterschlagung“, gepaart mit anderen lockeren Finanzpraktiken, die sich während eines Aufschwungs breit machen. Oder wie Warren Buffett es ausgedrückt hat: Wenn die Flut zurückgeht, kann man sehen, wer nackt geschwommen ist.

Die Investoren können sicher sein, dass SocGen nicht das einzige bekannte Finanzinstitut war, das während des Kredit-Booms nackt geschwommen ist. Natürlich wird SocGen darauf bestehen, nicht nackt geschwommen zu sein, da es ja ein betrügerischer Händler gewesen sei, der ihr die Kleider gestohlen hat. Aber es gibt immer Betrüger im Finanzsystem – zu jeder Zeit. Der Unterschied ist, dass sie in Zeiten des Aufschwungs ungeschoren davon kommen.

Wer wird die nächste SocGen sein? Das ist schwer zu sagen. Aber eines scheint sicher: Die bemerkenswerte Verzerrung der finanziellen Anreizsysteme während des Booms – nicht zuletzt die Explosion der halsabschneiderischen Gebührenstrukturen, die bei Hedge Fonds so populär sind – wird enorm dazu verlockt haben, sich betrügerisch zu verhalten. Zudem kann man mit Gewissheit davon ausgehen, dass das relativ geringe Alter so vieler der neuerdings mächtigen Finanzinstitutionen, die während des Aufschwung aufgetaucht sind, und die Vielschichtigkeit vieler Finanzprodukte eine Fülle von Gelegenheiten geschaffen haben, damit Falschspieler gedeihen konnten.

Um es mit dem viel zitierten Satz des ehemaligen US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld zu sagen: Das sind “die unbekannten Unbekannten” des Finanzsystems. Und in finanziell angespannten Zeiten müssen sich die Investoren jetzt auch noch um sie Gedanken machen.

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