US-Aktien
Schon wieder eine Blase an der Wall Street

Der Dow Jones-Index ist über die Marke von 10 000 Punkten geklettert und hat damit - wieder einmal - die Wirklichkeit überholt. Das altehrwürdige US-Börsenbarometer hatte diese Schwelle zuerst während der Dotcom-Blase überschritten. Auch jetzt bildet der Index eine Blase ab, der faire Wert müsste deutlich niedriger liegen.
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Der Dow Jones hat am Mittwoch über dem Niveau von 10 000 Punkten geschlossen. Langfristige Messgrößen legen nahe, dass der Index jetzt eine neue Blase abbildet. Dazu muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen.

Am 22. Februar 1995 durchbrach der Leitindex die Marke von 4 000 Zählern. An diesem Tag hatte Alan Greenspan, damals Chairman der US-Notenbank Federal Reserve, zum ersten Mal eine Lockerung der Geldpolitik angedeutet. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich die US-Wirtschaft in ihrem vierten Jahr der Expansion, die Aktienkurse lagen um 50 Prozent über den Spitzenwerten, die vor dem Crash im Jahr 1987 erreicht worden waren.

Es ist also logisch, den Stand von 4 000 Punkten als Schätzung für ein damals vernünftiges Niveau des Dow in einer Phase der moderaten wirtschaftlichen Expansion und des Optimismus heranzuziehen. Erweitert man dies um einen zwischenzeitlichen Zuwachs des nominalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) - der in Bezug zu den Unternehmensgewinnen und-bewertungen stehen sollte - und nimmt man an, dass die annualisierte Wachstumsrate des nominalen BIP im dritten Quartal dieses Jahres vier Prozent betragen hat, dann gelangt man zu dem Ergebnis, dass heute eine entsprechende vernünftige Bewertung des Dow bei knapp über 7 800 Punkten liegen würde.

Im Vergleich zu diesem hypothetischen Level befindet sich der US-Aktienmarkt eindeutig auf dem Terrain des spekulativen Überschwangs. Der Dow ist gegenüber seinem bisher tiefsten Schlussstand von 6 594 Punkten am 5. März um mehr als 50 Prozent nach vorn gerückt. Aber schließlich hält die Fed die Leitzinsen seit fast einem Jahr bei nahezu Null und pumpt Geld in das System.

Allerdings wird die US-Notenbank entweder durch die steigende Inflation oder die übermäßig hohen Rohstoffpreise, besonders bei Rohöl, bald dazu gezwungen werden, die Leitzinsen anzuheben. Dann werden die Aktienkurse höchstwahrscheinlich Rückschläge erleiden - immer vorausgesetzt, dass sich die Investoren nicht vorher schon aus eigenem Antrieb zurückziehen.

Der Dow Jones-Index hat 25 Jahre dafür gebraucht, um den Höchststand aus dem Jahr 1929 zu übertreffen, der der Großen Depression vorausging. Wenn man allerdings der Berechnung eine nominale Wachstumsrate des BIP von nur 4,2 Prozent zugrunde legt, dann übersteigt die vernünftige Bewertung des Index die Marke von 10 000 Zählern erst im Jahr 2015 - also rund 16 Jahre nachdem er diese Schwelle zuerst erreicht hatte.

Das würde dem Zeitraum entsprechen, den der Index gebraucht hatte, als er im Jahr 1966 zuerst über das Level von 1000 Zählern geklettert war, das er dann 1982 definitiv hinter sich ließ. Auch das heutige geringe Wachstum, die niedrigen Zinsen und die steigenden Rohstoffpreise muten eher wie Phänomene aus den siebziger Jahren an. Wenn dies zutrifft, dann wäre dies ein weiterer Hinweis darauf, dass der Dow Jones-Index wieder einmal der Realität vorauseilt.

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