US-Arbeitsmarkt
Abwärts, abwärts, abwärts

Der Verlust von Arbeitsplätzen in den USA im Juni war höher als jemals zuvor während jüngerer US-Rezessionen. Bedauerlicherweise ist die Talsohle doch noch nicht erreicht. Die Aktienmärkte, die Budgetschätzungen und die Annahmen für die Stresstests der US-Banken könnten alle zu optimistisch gewesen sein.
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So viel zu ersten Anzeichen einer Wirtschaftserholung. Die Zahl der Beschäftigten ist im Juni in den USA außerhalb der Landwirtschaft um 467 000 zurückgegangen. Die Stellenverluste waren damit umfangreicher als in irgendeinem Monat während der US-Rezessionen von 2001-02, 1990-91 oder 1980-82. Selbst wenn man mögliche "Störgeräusche" bei den Daten des Amts für Arbeitsstatistik ausblendet, zeigt sich, dass sich die Rezession noch nicht der Talsohle nähert. Die Aktienmärkte, die Budgetschätzungen und die Annahmen für die Stresstests könnten alle zu optimistisch gewesen sein.

Die Verringerung der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft ist höher ausgefallen als erwartet und hat einen scheinbar auf eine Verbesserung zustrebenden Trend in sein Gegenteil verkehrt. Die Arbeitsplatzverluste in den USA summierten sich damit in den vergangenen zwölf Monaten auf 5,66 Mill. Stellen. Das ist fast doppelt so hoch wie der nächst größte Verlust, der bisher verzeichnet worden war: In den zwölf Monaten bis September 1945 wurden 3,17 Mill. Stellen abgebaut - ausgelöst durch die Reduzierung von Arbeitsplätzen, die im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg geschaffen worden waren.

Im Vergleich mit US-Rezessionen der jüngeren Zeit sieht die aktuelle Zahl besonders katastrophal aus. In allen drei der jüngeren Abschwungphasen lag der monatliche Stellenverlust in seiner Spitze unter dem der Juni-Daten.

Die Ausweitung der Zahl der Erwerbstätigen führte zwar dazu, dass der höchste monatliche Arbeitsplatzverlust während der Rezession von 1980 "real" über den Einbußen vom Juni rangiert. Aber das anhaltende Tempo des Jobabbaus, seitdem die Bankenkrise im vergangenen Herbst zugeschlagen hat, ist seit der Großen Depression noch nicht da gewesen.

Dieser Einbruch deutet an, dass es mit den wirtschaftlichen Aktivitäten immer noch abwärts geht. Daher könnte sich das Vorrücken der Aktienmärkte um 40 Prozent seit März als zu optimistisch erweisen, genau so wie die Grundannahmen für die Stresstests amerikanischer Banken durch das US-Finanzministerium. Gemäß seinem "widrigeren" Szenario war das Treasury von einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent im zweiten Quartal ausgegangen gegenüber tatsächlichen 9,2 Prozent und einer erwarteten Spitze von 10,4 Prozent gegen Ende 2010.

Für den US-Haushalt, der dem Kongress am 7. Mai zuging, ergeben sich daraus sogar noch wichtigere Folgen. Dem Etat liegen Annahmen über eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent im vierten Quartal 2009 und einem Jahresdurchschnitt von 7,9 Prozent im Jahr 2010 zugrunde. Beide Zahlen erscheinen jetzt viel zu niedrig. Dies wiederum legt nahe, dass die projizierten Defizite von 1,84 Bill. Dollar im Haushaltsjahr per September 2009 und von 1,26 Bill. Dollar im darauf folgenden Jahr beträchtlich unterbewertet sind.

Die Verringerung der Zahl der Beschäftigten für Juni kann immer noch revidiert werden und enthält zweifellos erhebliche "Störgeräusche". Trotzdem deuten die Daten darauf hin, dass die wirtschaftliche Talsohle erst noch erreicht werden muss.

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