US-Arbeitsmarkt
Die Boomer arbeiten immer noch

Seit Beginn der Rezession sind in den USA 5,1 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Nur während einer einzigen Rezessionsphase nach dem Krieg war die Arbeitslosigkeit noch schneller gestiegen. Die Reallöhne legen zwar noch zu, aber wahrscheinlich nicht mehr lange.
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Seit dem Beginn der Rezession im Dezember 2007 sind in den USA 5,1 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Nur während einer einzigen Rezessionsphase nach dem Zweiten Weltkrieg war die Arbeitslosigkeit schneller gestiegen. Lediglich in der Altersgruppe der über 55-Jährigen ist ein Stellenzuwachs zu verzeichnen. Sie sind gezwungen zu arbeiten, weil ihre Ersparnisse schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Reallöhne legen zwar immer noch zu, werden aber wahrscheinlich zurückgehen, wenn vielleicht die Inflation wieder auflebt.

Hinsichtlich der Arbeitslosenquote, die derzeit bei 8,5 Prozent liegt, bleibt die derzeitige Rezession nur hinter dem massiven Abschwung im Jahr 1982 zurück. Damals hatte die Arbeitslosenquote 10,8 Prozent betragen. Auch was die verschwundenen Stellen angeht, sind die damaligen Spitzenwerte noch unerreicht: die Arbeitslosigkeit hat sich bisher um 4,1 Prozentpunkte erhöht gegenüber einer Zunahme um 5,2 Punkte im Jahr 1982. Aber der Verlust von 3,3 Millionen Jobs in den vergangenen fünf Monaten stellt einen Nachkriegsrekord für eine derart kurze Zeitspanne dar, selbst wenn man diese Zahl um den Zuwachs der Erwerbsfähigen bereinigt.

Die einzige Gruppe, die während dieser Rezession eine Beschäftigungszunahme verzeichnet, sind die über 55-Jährigen, und zwar bei Männern wie bei Frauen gleichermaßen. Dies mag angebotsgetrieben sein. Hinter dieser Erhöhung dürfte weniger ein plötzlich einsetzender ökonomischer Bedarf an erfahrenen, aber in ihrem Arbeitstempo beeinträchtigten Arbeitnehmer zu suchen sein. Vielmehr mag der jähe wertmäßige Rückgang ihrer Ruhestandsersparnisse den Anstieg erklären. Der Trend hat sich seit dem Platzen der Internetblase fortgesetzt: Die Zahl der Beschäftigten in der Altersgruppe der über 55-Jährigen hat von 18 Millionen im Jahr 2000 auf heute 27 Millionen zugenommen.

Allgemein betrachtet führt eine steigende Zahl arbeitsloser Arbeitnehmer gewöhnlich zu einem Rückgang der Reallöhne. Das ist bisher nicht eingetreten. Die Stundenlöhne sind im März 2009 gegenüber Vorjahr um 3,6 Prozent gewachsen, während sich der Verbraucherpreisindex im Jahr per Februar nur um 0,2 Prozent erhöht hat.

Auch während der Großen Depression waren die Reallöhne nicht gesunken. Der Anstieg der Reallöhne zwischen 1929 und 1931, während die Preise nachgaben - zusammen mit anhaltend hohen Reallöhnen durch die Gewerkschaftsbewegung der Dreißiger Jahre - wird generell als ein Faktor angesehen, der zu der hohen Arbeitslosigkeit der Dreißiger Jahre beigetragen hat, die mit 25 Prozent ihren Höhepunkt erreichte.

Da dieses Mal immer mehr ältere Arbeitnehmer nach einer Anstellung suchen und das Niveau der Arbeitslosigkeit jetzt ohnehin schon hoch ist, sollten sich die Reallöhne abschwächen. Wenn die Entwicklung dem Muster des Zeitraums 1979 bis 1982 folgt, wird die Preisinflation den realen Wert der statischen Löhne erodieren. Solange die Teuerung nicht exzessiv ausfällt, wäre das gar nicht schlecht: Dadurch könnte sich die Aufwärtstendenz bei der Arbeitslosigkeit verlangsamen und schließlich in ihr Gegenteil verwandeln.

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