US-Autobranche
Delphi: Diese Runde geht an die Gläubiger

Durch die zupackende Rolle der US-Regierung im Automobilsektor hatten die Gläubiger der insolventen Chrysler und GM den Kürzeren gezogen. Im Fall von Delphi bewiesen die Kapitalgeber größeres Durchsetzungsvermögen und sie scheinen die Oberhand erlangt zu haben. Das ist ein faires Ergebnis. Jetzt wird es darauf ankommen, den Autozulieferer wieder zur Rentabilität zu führen.
  • 0

Durch die zupackende Rolle der US-Regierung im amerikanischen Automobilsektor haben die Geldgeber der insolventen Chrysler und General Motors (GM) vielleicht den Kürzeren gezogen. Im Fall des Autozulieferers Delphi allerdings bewiesen die Kreditanbieter mehr Durchsetzungsvermögen - und sie scheinen die Oberhand erlangt zu haben. Das sieht nach einem fairen Ergebnis aus.

Nach einer langwierigen und manchmal bitteren Umstrukturierung, die 2005 eingeleitet wurde, sah es Anfang des Jahres ganz so aus, als könne Delphi der Insolvenz mit finanzieller Hilfe der ehemaligen Muttergesellschaft GM entkommen. Doch dann wurde bekannt, dass Delphi und die staatlich kontrollierte GM stattdessen ausgehandelt hatten, dass die Beteiligungsfirma Platinum Equity den Autoteilehersteller aus der Pleite führen soll. Dieser Plan hatte anscheinend den Segen der von US-Präsident Barack Obama eingesetzten Expertengruppe für den Automobilsektor.

Doch die Hedge Fonds, die die Verbindlichkeiten von Delphi hielten, widersetzten sich mit der Begründung, bei dem Deal bleibe zu wenig für sie übrig. Im Juni gab ihnen das Insolvenzgericht Recht und bestand darauf, dass der Verkaufsprozess offener gestaltet werden müsse. Jetzt sieht es ganz so aus, als würden die Gläubiger - abhängig von der Zustimmung des Gerichts - im Großen und Ganzen den Plan umsetzen, den eigentlich Platinum anvisiert hatte. Damit könnten sie sich einen viel größeren Anteil am Eigenkapital von Delphi sichern, als ihnen dies vorher möglich gewesen wäre. Im Gegenzug erlassen sie dem Zulieferer Schulden über etwa 3,4 Mrd. Dollar und möglicherweise werden sie noch zusätzlich Cash beisteuern müssen.

Delphi und GM - und damit indirekt auch Obamas Auto Task Force - haben die Pferde gewechselt und sich hinter den neuen Deal gestellt. Sowohl bei Chrysler als auch GM hatte die Regierung als Geldgeber die Debtor-in-possession-Rolle inne und verfügte damit rechtlich über großen Einfluss. Das war bei Delphi nicht der Fall.

Die Glaubwürdigkeit der US-Insolvenzverfahren hat dadurch gewonnen, dass in diesem Fall die Kapitalgeber letztendlich doch in der Lage waren, das Ergebnis zu beeinflussen, auch wenn die Regierung anfänglich in eine andere Richtung gehen wollte.

Und Platinum könnte vielleicht doch noch an Bord geholt werden. Dann könnte die Firma einige ihrer Kosten wieder hereinholen - es handelt sich um 30 Mill. Dollar, wie aus den Eingaben von Delphi bei Gericht hervorgeht - und vielleicht die einschlägige Expertise im operativen Bereich zur Anwendung bringen, die sie nach eigenen Angaben angesammelt hat. Aber letztendlich werden die Gläubiger das Sagen haben. Unter der Voraussetzung, dass die Pleite-Saga von Delphi nicht noch die eine oder andere große Überraschung birgt, dann ist das die nächste Herausforderung. Es sollte nicht allzu schwer werden, einen Konsens zu erreichen, dass eine rentabel arbeitende Delphi im Interesse aller Beteiligten ist.

Kommentare zu " US-Autobranche: Delphi: Diese Runde geht an die Gläubiger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%