US-Autohersteller
Die Galgenfrist für GM und Chrysler ist abgelaufen

Chrysler und General Motors werden die von der Regierung geforderten Umstrukturierungsziele bis zum Ende des Monats nicht erreichen. Doch die US-Regierung will den beiden Autobauern angeblich einen weiteren Monat zugestehen, um ihren Kapitalgebern und den Gewerkschaften Konzessionen abzutrotzen - und ihnen weiteres Geld leihen. Das ist der falsche Schritt. Die Regierung sollte sie in die Insolvenz zwingen.
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Am Freitag, und damit nur ein paar Tage vor Ablauf der Galgenfrist, hatte GM Berichten zufolge sowohl den Mitarbeitern als auch den Anleiheinhabern zwar neue Angebote unterbreitet - in der Hoffnung, ihre Verbindlichkeiten senken zu können. Aber es ist nicht klar, ob sich eine der Parteien darauf einlassen wird. Um seine Rechnung für die Gesundheitsversorgung bei der Autogewerkschaft UAW zu begleichen, hatte GM Vorzugsaktien über zehn Mrd. Dollar und die einen Zeitraum von zwanzig Jahren umfassende Bar-Finanzierung der restlichen zehn Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. Doch diese Konditionen könnten dem unabhängigen Gesundheitstrust als Basis nicht reichen, um seine Ausgaben zu decken.

Die Anleiheinhaber wiederum würden durch einen Tausch von Anleihen gegen Aktien 90 Prozent des Eigenkapitals von GM erhalten. Das klingt nach einem Lösungsansatz, wie er aus einer Insolvenz erwächst - aber er würde nur akzeptiert werden, wenn die Anleiheinhaber sich auch sicher sind, dass die Firma dann überlebensfähig ist. Wenn sie zu der Ansicht gelangen, dass ein Antrag auf Gläubigerschutz selbst dann immer noch wahrscheinlich ist, läge kein Vorteil darin, vorrangige Papiere gegen Aktien zu tauschen, die unverzüglich zunichte gemacht werden würden.

Und eine Insolvenz ist scheinbar immer noch nicht vom Tisch. Selbst wenn sich GM mit den Anleiheinhabern einigt, braucht der Autobauer immer noch Nothilfen von der Regierung, die über die bereits erhaltenen 13 Mrd. Dollar hinausgehen. Der jüngste Plan des Unternehmens sieht weitere 22,5 Mrd. Dollar vor sowie 7,5 Mrd. Dollar, wenn sich der Auto-Absatz in den kommenden zwei Jahren nicht erholt, Energiekredite über 7,7 Mrd. Dollar und sechs Mrd. Dollar von ausländischen Regierungen.

Mit anderen Worten: Die Regierungskredite überragen eine Schuldenreduktion seitens der Bond-Inhaber um Längen. Die Credit Suisse geht zum Beispiel davon aus, dass GM am Jahresende auf Schulden über 50 Mrd. Dollar sitzt. Das wären fast sechzig Prozent mehr als im Jahr 2008. Die jährlichen Zinszahlungen würden drei Mrd. Dollar betragen, wenn man von einem Kombizinssatz von sechs Prozent ausgeht. Sie lägen bei 3,9 Mrd. Dollar, wenn der unabhängige Trust die Vorzugsaktien annähme. Allein um dies abzudecken, müsste GM eine Gewinnmarge vor Steuern von happigen sechs Prozent und einen Umsatz einfahren, der im Mittel der Prognosen mit 107 Mrd. Dollar veranschlagt wird.

Aber GM verliert immer noch Geld. In den kommenden drei Jahren könnte der Autobauer 30 Mrd. Dollar verbrennen, rechnet Credit Suisse vor. Natürlich könnte der Autoabsatz plötzlich in ungeahnte Höhen schießen und GM retten. Aber das wäre schon eine gewagte Wette mit dem Geld der Steuerzahler. GM - und Chrysler - jetzt in die Insolvenz zu zwingen, würde zwar auch bedeuten, dass man Verluste realisiert. Aber wenigstens wären die Autobauer dann vielleicht in einer besseren Ausgangslage, wenn sich der Markt schließlich erholt.

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