US-Banken
Citigroup: Der strauchelnde Riese

Goldman Sachs hat ein weiteres sehr erfolgreiches Quartal verbucht und einen Gewinn von 3,2 Mrd. Dollar eingefahren. Die Citigroup dagegen schaffte lediglich einen Gewinn von 101 Mill. Dollar. Der Vergleich zeigt: Vikram Pandits Megabank gleicht einem Walfisch auf dem Trockenen.
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Die Gewinnausweise der Banken sind nie ein Ausbund an Transparenz. Aber zumindest sollten die Ergebnisse im dritten Quartal etwas leichter nachzuvollziehen sein, als sie dies eine ganze Zeit lang waren. Nehmen wir zum Beispiel Goldman Sachs. Sicher legt der Wall Street-Gigant nie ganz genau dar, wie er sein Geld verdient. Aber abgesehen von einer Reihe kleiner Abschreibungen, die von der Kreditkrise herrühren, ist es ziemlich offensichtlich, dass die Firma, der jetzt der Spitzname "Vampirtintenfisch" anhaftet, keine Schwierigkeiten damit hatte, sich an den günstigen Marktbedingungen gütlich zu tun. Bei der Citigroup sieht dies ganz anders aus.

Doch auch bei der angeschlagenen Megabank gibt es einige gute Nachrichten. Zunächst einmal haben sich die Märkte so weit erholt, dass das Kreditinstitut den Wertansatz bei problematischen Hypothekendarlehen und anderen Vermögenswerten um 2,7 Mrd. Dollar erhöhen konnte. Die Kreditverluste waren leicht rückläufig. Und die Citicorp, die die Kernbereiche der Bank umfasst, verdiente 2,3 Mrd. Dollar, wenn auch bei äußerst niedrigen Steuersätzen.

Doch Vikram Pandits Riesengebilde konnte in den drei Monaten per September einen Gewinn nach Steuern von lediglich 101 Mill. Dollar vorweisen - das ist eine Summe, die Goldman Sachs alle paar Tage einsaugt. Und lässt man auch noch die vielen absonderlichen einmaligen Posten außen vor, dann schmilzt selbst dieser symbolische Betrag schnell dahin.

Zunächst einmal hat die Citigroup einen Gewinn nach Steuern über 161 Mill. Dollar aus dem Verkauf ihres Futures-Geschäfts an Morgan Stanley Smith Barney registriert. Dazu kommt ein außerordentlicher Gewinn über 851 Mill. Dollar im Zusammenhang mit dem immensen Austausch von Vorzugs- in Stammaktien, der dazu führte, dass die US-Regierung jetzt rund ein Drittel der Bank besitzt. Und schließlich profitierte das Institut mit rund 1,1 Mrd. Dollar von "Gewinnen, die in Ländern mit verhältnismäßig niedrigeren Steuersätzen erzielt und dort auf unbestimmte Zeit reinvestiert wurden". Einen Großteil davon trug die Citi Holdings bei, der Bereich, der ins Leben gerufen wurde, um die Geschäfte zu verwalten, die die Bank als überflüssig erachtet.

Streicht man all diese Posten, dann bleibt die Citigroup auf einem Verlust über zwei Mrd. Dollar sitzen. Zugegebenermaßen halbiert sich dieser Betrag, wenn man die - angemessen besteuerten - Einnahmen wieder dazu addiert, die an die obskure Bilanzierungsregel verloren gehen, die US-Firmen dazu zwingt, die Erhöhung des Marktkurses ihrer eigenen Verbindlichkeiten als Einbußen zu verbuchen. Aber während sich Goldman an den Märkten labt, sieht die Citigroup immer noch wie ein gestrandeter Wal aus.

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