US-Banken
Citigroup: Die UNO unter den Banken

Uncle Sam sichert sich die größte Portion an Citigroup. Das ist zwar keine Verstaatlichung, aber wenn man noch die großen Aktionäre aus Singapur, Kuwait und den saudi-arabischen Prinzen dazu nimmt, erhält man eine quasi-souveräne Gruppe, die die ehemals größte Bank Amerikas kontrolliert. Diese "multinationale Neuausrichtung" könnte für das Geschäft von Citigroup gar nicht so unvorteilhaft sein.

Die Citigroup ist zur UNO des globalen Bankensystems mutiert. Uncle Sam wird zwar fast gewiss mit dem größten Einzelanteil aus der massiven Rekapitalisierung des New Yorker Konglomerats hervorgehen. Aber hierbei handelt es sich nicht um eine Verstaatlichung, die etwa mit der Übernahme von Royal Bank of Scotland durch die britische Regierung vergleichbar wäre.

Rechnet man noch die Anteile hinzu, die aller Voraussicht nach von Fonds gehalten werden, die in Verbindung zu den Regierungen in Singapur und Kuwait und zu einem saudiarabischen Prinzen stehen, dann wird eine quasi-souveräne Gruppe - eine Art Koalition der widerwillig Willigen - die Mehrheit halten und de facto die Kontrolle bei der ehemals größten Bank Amerikas ausüben. Idealerweise wäre die Citigroup in privaten Händen geblieben - aber die "multinationale Neuausrichtung" könnte nicht die schlechteste Alternative für das Geschäft der Bank sein.

Natürlich bringt der Anteil der US-Regierung von bis zu 36 Prozent Komplikationen mit sich. Das Kreditinstitut könnte dadurch gezwungen sein, seinen Auftritt in der Welt zu überdenken, denn in vielen Ländern gelten für Firmen, selbst wenn sie nur teilweise von ausländischen Regierungen gehalten werden, Restriktionen. In Mexiko, zum Beispiel, darf ein Unternehmen, das zu mehr als zehn Prozent einer ausländischen Regierung gehört, keine Bank führen.

Damit taucht die irritierende Frage aus, was mit der zweitgrößten mexikanische Bank, dem Grupo Financiero Banamex, geschehen wird - sie gehört nämlich zu Citigroup. Das US-Institut wird den Grupo vielleicht verkaufen müssen, wenn keine Einigung mit der mexikanischen Regierung erzielt wird. Wenn man natürlich bedenkt, dass Citigroup auch weiterhin fortlaufend neues Kapital brauchen wird, ist ein Verkauf vielleicht ohnehin unabdingbar.

Wenn die Größe der Citigroup jetzt oder in der Zukunft beschnitten werden sollte, so muss das nicht notwendigerweise eine Katastrophe sein. Die Wildwuchs der Bank ist immer noch zu ausgedehnt, um effektiv gesteuert werden zu können. Wenn die Bank vielleicht auch keine großartigen Preise erzielen wird, wenn sie dazu gezwungen wird, sich selbst jetzt in Mexiko, Polen oder Südkorea teilweise zum Verkauf zu stellen, dann könnten die Aktionäre und Aufsichtsbehörden dennoch davon profitieren, dass die Citigroup auf lange Sicht besser zu verwalten sein wird.

Und die Tatsache, dass die Regierungen von Singapur und Kuwait - von Prinz Alwaleed gar nicht zu reden - jetzt enger in die Kapitalbasis der Bank eingebunden sind, könnte dazu führen, dass die Kunden aus dem immer noch reichen Nahen Osten und aus Asien den Bankern der Citigroup größere Sympathie entgegenbringen. Alles in allem ist diese Neuordnung sicher besser als die Alternative: eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der US-Regierung zu sein.

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