US-Banken
Citigroup: Zurück in die Zukunft, Teil III

Dem US-Finanzminister Hank Paulson ist die von ihm erhoffte Unterbrechung bei den Regierungsinterventionen offenbar nicht vergönnt. Wie der Einbruch der Finanzaktien am Mittwoch im Allgemeinen und die Verluste der Citigroup-Titel im Besonderen zeigen, neigen die Märkte immer noch allzu sehr zur Panik.

Die Aktien von Citigroup sind um fast 25 Prozent gefallen. Der Grund für den Einbruch lag anscheinend darin, dass die Bank Vermögenswerte von Zweckgesellschaften gekauft hat. Der Markt hätte dies eigentlich ignorieren können. Doch die schlechten Nachrichten überstürzen sich und reichen vom Immobilienmarkt über die Fed bis nach Detroit. Die US-Regierung wird sich sehr anstrengen müssen, um die Märkte zu beruhigen. Und Citigroup steht als Erste in der Schusslinie.

Der Wert der US-Großbank ist um fast ein Viertel gefallen, auf den ersten Blick ohne jeden ersichtlichen Grund. Sicher, Citigroup hatte im Tagesverlauf angekündigt, die restlichen Vermögenswerte bei den Zweckgesellschaften aufzukaufen, zu deren Finanzierung die Bank vor fast einem Jahr gezwungen worden war. Aber dies hätte eigentlich ignoriert werden können, denn das Kreditinstitut unterstützte die Zweckgesellschaften ohnehin bereits zu hundert Prozent, die Übernahme jeglicher Verluste eingeschlossen. Citigroup ist, buchhalterisch gesehen, bereits die Besitzerin, der Schritt hat daher nur geringe oder gar keine Auswirkungen auf ihre Bilanzen.

Aber auf die Marktteilnehmer prasseln aus allen Ecken beunruhigende Nachrichten ein. Der Chef der Bank of America, Ken Lewis, geht davon aus, dass die Kreditkartenbranche vor den größten Verlusten ihrer Geschichte steht. Die Gewerbeimmobilien geraten unter Druck. Und die US-Notenbank Federal Reserve rechnet jetzt damit, dass die Rezession mindestens bis zum nächsten Sommer dauert.

Dazu kommen ein US-Präsident, der nicht mehr viel zu sagen hat, die Unsicherheit über die Zukunft der Autobauer in Detroit und die wachsende Besorgnis über die Schwellenländer. Es ist also nicht schwer, Gründe dafür zu finden, warum die Märkte plötzlich wieder in den Panikmodus gerutscht sind. Selbst die Aktien von Unternehmen, deren Manager als ausgebufft gelten, wie etwa Warren Buffets Berkshire Hathaway, konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen.

Aber wenn man die Abertausende von Problemen von Citigroup in Bezug zu ihrem globalen Geschäft setzt, dann ist es kein Wunder, dass die Titel der Bank den größten Schlag einstecken mussten - ihre Abschläge betrugen mindestens das Doppelte der Verluste von Berkshire, JPMorgan und Wells Fargo.

Die Investoren sollten eigentlich durch die jüngsten Schritte von US-Finanzminister Paulson ein wenig beruhigt werden, die dazu beigetragen haben, dass einige Messwerte der Marktliquidität auf ein rationaleres Niveau zurückgeführt wurden. Und natürlich hat Paulson, indem er Citigroup als eine der acht US-Banken ausgewählt hat, die dazu gezwungen wurden, Kapital aus dem Bankenrettungsplan der US-Regierung in Anspruch zu nehmen, das Kreditinstitut tatsächlich dazu deklariert, zu groß zu sein, als dass es scheitern dürfte.

Doch dies alles lässt sich leicht ignorieren, wenn die schlechten Nachrichten sich nur so überstürzen. Natürlich besteht immer die Möglichkeit, dass die Einbußen vom Mittwoch nur ein vorübergehender Tiefpunkt waren. Wenn nicht, dann wird der Druck auf Paulson, die Regierungsinterventionen wieder zu verstärken, ganz schnell wieder mit voller Wucht zurückkehren.

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