US-Banken
Citigroups Gallipolli

Citigroup hat Smith Barney in ein von Morgan Stanley geführtes Gemeinschaftsunternehmen gezwängt. Damit wird der Citigroup-Bereich weit niedriger bewertet, als die Megabank vor einem Jahr für ihn hätte erzielen können. Kann es dem Chef der Citigroup, Vikram Pandit, gelingen, im Bankensektor ein Manöver hinzulegen, das sich mit dem Rückzug aus Gallipolli im Ersten Weltkrieg vergleichen lässt?

Kann es dem Chef der Citigroup, Vikram Pandit, gelingen, im Bankensektor ein Manöver hinzulegen, das sich mit dem Rückzug aus Gallipolli im Ersten Weltkrieg vergleichen lässt? Nach dem Scheitern eines Feldzugs, mit dem das Osmanische Reich bezwungen werden sollte, hatte damals das Expeditionskorps aus britischen, französischen und australisch-asiatischen Streitkräften den Kommandeur ersetzt und einen cleveren Rückzug orchestriert, bei dem nur sehr wenige Soldaten zu Schaden kamen. Es ist zu früh, um sagen zu können, ob Pandit ähnlich erfolgreich ist, wenn er das Ungetüm Citigroup auseinander nimmt. Aber Smith Barney in ein von Morgan Stanley geführtes Jojnt Venture zu zwängen, ist ein geschickter Anfang.

Wie denn das? Schließlich bekommt Citigroup nur 2,7 Mrd. Dollar dafür, dass sie die Kontrolle von Smith Barney an Morgan Stanley abgibt. Das ist weit weniger als ein Verkaufspreis von 25 Mrd. Dollar oder darüber, den die Großbank vielleicht hätte erzielen können, wenn sie Smith Barney vor einem Jahr oder früher komplett verkauft hätte. Und es ist ein Tropfen im Ozean für eine Firma, die in einem Jahr mehr als 20 Mrd. Dollar verloren und die staatlicher Investitionen über 45 Mrd. Dollar bedurft hat, um sich das Vertrauen der Investoren zu sichern, dass sie überhaupt noch lebensfähig ist.

Aber die Citigroup hatte Smith Barney in ihren Büchern immer schon mit etwa drei Mrd. Dollar geführt. Indem sie die Kontrolle an Morgan Stanley abgibt, schafft Citigroup zusätzliches Stammkapital über 6,5 Mrd. Dollar. Deshalb wird die Bank einen Gewinn vor Steuern von rund 9,5 Mrd. Dollar verbuchen, wobei die Zahlung von Morgan Stanley bereits berücksichtigt ist. Und natürlich behält die Großbank einen Anteil von 49 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen, das - mit etwas Glück - in den kommenden drei Jahren an Wert gewinnt. Dann nämlich greift die Option der Citigroup, weitere Anteile an der Tochter zu verkaufen.

Darüber hinaus rechnen die beiden Firmen damit, 15 Prozent ihrer zusammengelegten Ausgabenbasis bzw. rund 1,1 Mrd. Dollar kürzen zu können. Besteuert und mit einem Vielfachen von zehn versehen - eine Standardmethode zur Bewertung von Kosteneinsparungen bei einer Fusion -, beläuft sich der Wert des Anteils für die Citigroup-Aktionäre auf etwa 3,8 Mrd. Dollar.

Natürlich gibt es auch Risiken: Selbst angesichts der angebotenen Pakete, um maßgebliche Mitarbeiter in der Firma zu halten, könnten Broker abspringen. Und eine anhaltende Rezession und eine Flaute am Aktienmarkt könnten unterschwellig vorhandene Kulturkämpfe und Unterschiede im Management-Ansatz zum Ausbruch bringen. Aber vorerst zumindest scheint Pandit ein erster geschickter Schritt geglückt zu sein, um die Citigroup lenkbarer zu machen. Aber er hat noch einen langen Weg vor sich, bis er den Rest der Megabank aus dem Sumpf gezogen hat.

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