US-Banken
Da ist noch etwas im Keller

JPMorgan hat die Kosten für die Akquisition von Bear Stearns um drei Milliarden Dollar nach oben revidiert. Natürlich könnte sich dies mit der Zeit trotzdem gut bezahlt machen, die Aktionäre sollten sich daher – noch – keine allzu großen Sorgen machen. Und dennoch könnten das dazu führen, dass andere Banken es sich gut überlegen werden, ob sie dem Staat bei der Rettung angeschlagener Firmen helfen.

JP Morgan Chase war sich des Risikos, Leichen im Keller von Bear Stearns zu übersehen, durchaus bewusst, als die Investmentbank das in akute Liquiditätsschwierigkeiten geratene Wertpapierhaus an einem hektischen Wochenende im Schnelldurchlauf durchleuchtete. Daher hatte JPMorgan einen Puffer über sechs Mrd. Dollar für mögliche rechtliche Kosten und Aufwendungen im Zusammenhang mit der Finanzierung und Akquisition in ihre ursprüngliche Offerte über zwei Dollar je Aktie eingebaut. Jetzt steigen diese – und andere – Kosten und es sieht ganz so aus, als ob JPMorgan viel mehr hingeblättert hat als anfangs erwartet. Mit der Zeit könnte sich der Deal dennoch auszahlen. Aber die momentanen Schwierigkeiten der Bank führen möglicherweise dazu, dass andere Institute es sich gut überlegen werden, ob sie der Regierung bei der Rettung angeschlagener Firmen unter die Arme greifen werden.

Der Chef von JPMorgan, Jamie Dimon, rechnet damit, dass die Kosten im Zusammenhang mit der Integration von Bear Stearns um drei Mrd. Dollar bzw. 50 Prozent höher liegen, als er ursprünglich veranschlagt hatte. Die Bilanz von Bear ist in schlechterer Verfassung und der Abbau von Fremdmitteln erweist sich als teurer als erwartet. Wenn sich Dimons Schätzungen bewahrheiten, könnten ihn die Leichen im Keller von Bear theoretisch den Gegenwert von rund 86 Dollar je Aktie für die gescheiterte Investmentbank kosten.

Zunächst einmal wären da die zehn Dollar je Aktie, die JPMorgan letztendlich gebraucht hat, um die Bear-Aktionäre zu bezahlen und den Abschluss über die Bühne zu bekommen. Dann kommt der Aufwand über sechs Mrd. Dollar hinzu, der ursprünglich vorausgesehen worden war. Teilt man dies durch die zum Zeitpunkt des Deals in Umlauf befindlichen Aktien von Bear, dann erhält man 51 Dollar. Jetzt müssen noch die zusätzlichen drei Mrd. Dollar zu weiteren 25 Dollar je Aktie berücksichtigt werden und voilà, man kommt bei 86 Dollar heraus – ganz in der Nähe des Buchwerts von Bear kurz vor deren Zusammenbruch.

Natürlich versteht sich Dimon auf die geschickte Steuerung von Erwartungen – er ist bekannt dafür, eher zu wenig zu versprechen, um dann mehr als erwartet einzulösen. Als etwa JPMorgan mit Bank One fusionierte, hatte er angekündigt, der Abschluss würde Kosteneinsparungen über rund 2,2 Mrd. Dollar einbringen. Er hat die Zahl schließlich auf drei Mrd. Dollar nach oben revidiert. Die Aktionäre sollten sich also keine allzu großen Sorgen machen, bis sich alle Risiken – und mögliche Belohnungen – aus dem Bear-Deal mit der Zeit abbilden. Tatsächlich ist der Kurs der JPMorgan-Aktie seit dem Abschluss um ein Viertel gestiegen.

Aber Dimons Schwierigkeiten könnten ihren Schatten auf künftige Rettungsaktionen voraus werfen. JPMorgan hatte in den 48 Stunden, in denen die Bank hastig eine Lösung auf die Beine stellen musste, bevor die Märkte wieder öffneten, keine Zeit für eine eingehende Sorgfaltsprüfung bei Bear. Das nächste Mal, wenn die Finanzmarktaufseher hektisch herumtelefonieren und die Banken um die Rettung eines wankenden Konkurrenten ersuchen, könnten ihre Bitten ungehört verhallen.

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