US-Banken
Kreditvergabe: Nichts geht mehr

Trotz der massiven Gegenwehr von Fed-Chef Bernanke ist die US-Kreditvergabe in den letzten drei Monaten noch viel restriktiver geworden. Unter den industriellen Darlehensnehmern kann sich niemand daran erinnern, jemals solch harten Bedingungen auf dem Kreditmarkt gegenüber gestanden zu haben. Und selbst als erstklassig eingestufte Verbraucher bekommen keine Kredite mehr – was zum Einbruch des US-Autoabsatzes beigetragen hat.

Fed-Chef Ben Bernanke hätte sein Geld genau so gut auch aus dem Fenster werfen können, wenn man bedenkt, wie wenig es bewirkt hat, um die Banken wieder anzutreiben, Kredite zu vergeben. In den vergangenen drei Monaten mussten sich die Unternehmen mit den härtesten Kreditbedingungen auseinander setzen, seitdem die US-Zentralbank 1991 damit begonnen hatte, umfassende Erhebungen zu erstellen. Und die Banken fahren auch die Kredite an die Verbraucher zurück - was dazu beigetragen hat, dass im vergangenen Monat der US-Autoabsatz erschreckend eingebrochen ist.

Rund 85 Prozent der amerikanischen Banken haben in den vergangenen drei Monaten die Kreditvergabestandards für industrielle Darlehensnehmer angezogen, auch wenn den Instituten an den Trögen der Regierung nie zuvor gesehene Mengen an Liquidität zur Verfügung gestellt wurden. Im zweiten Quartal hatten rund 60 Prozent der Kreditinstitute die Daumenschrauben angezogen, wie aus der jüngsten Meinungsumfrage durch die Fed unter den Leitern der Kreditabteilungen hervorgeht. Zudem haben 75 Prozent der befragten Institute die Kreditvertragsklauseln bei Unternehmenskrediten, die sie herausgelegt haben, verschärft.

Auch für die Darlehensnehmer im Verbraucherbereich hat sich die Lage verschlechtert. Hypothekendarlehen für Wohneigentum sind selbst für erstklassig eingestufte Schuldner schwerer zu ergattern, ebenso wie Kredite auf Eigenheime, die auf der Höhe des Eigenkapitals basieren. Die Banken haben die Kreditlinien für Kreditkarten und Autofinanzierungen sowohl für erstklassige wie auch für dem Subprime-Bereich zugeordnete Konten gekappt - wenn auch im letzteren Bereich um das Dreifache gegenüber den erstklassigen Schuldnern - und führen als Begründung die gesunkene Risikotoleranz an.

Dass kaum noch Autofinanzierungen zu haben sind, hat zu dem erschreckenden Einbruch des US-Autoabsatzes binnen Jahresfrist im vergangenen Monat geführt. General Motors hat 45 Prozent weniger Autos abgesetzt, Ford verbuchte ein Minus um 30 Prozent und selbst Toyota musste Einbußen um 23 Prozent hinnehmen.

Keine größere Bank hat ihre Kreditkonditionen gelockert oder ihr Angebot erweitert. Natürlich geben Lebenszeichen auf dem Markt für Commercial Paper und der kräftige Rückgang des Dreimonats-Libor gegen Ende der vergangenen Woche Anlass zu der Hoffnung, dass die unterschiedlichen Lösungsansätze der Fed schließlich die eingefrorene Kreditvergabe zum Schmelzen bringen. Dies wäre allerdings auch dringend erforderlich, soll sich die Autobranche - und die Wirtschaft als Ganze - jemals wieder erholen.

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