US-Banken
Megafusion als Herausforderung für Dimon?

Stehen jetzt wieder Megafusionen unter den US-Banken zur Diskussion? Zumindest lässt die Selbsthilfeaktion eines Bankers, der Citigroup auf einen möglichen Deal mit der Bank of America hin ausgeleuchtet hat, darauf schließen. Theoretisch hat eine solche Kombination durchaus ihren Charme. Praktisch gibt es Dutzende von Punkten, die gegen eine Verschmelzung der Riesen sprechen.

Stehen jetzt wieder Megafusionen unter den US-Banken zur Diskussion? Zumindest ließe sich die Selbsthilfeaktion eines Bankers, der Citigroup auf einen möglichen Abschluss mit der Bank of America hin ausgeleuchtet hat, so deuten. Theoretisch hat eine solche Kombination durchaus ihren Charme, auch wenn viele der Themen, die den geplagten Aktionären von Citigroup am Herzen liegen, damit nicht angesprochen werden würden. Praktisch gibt es allerdings Dutzende von Punkten, die gegen eine Ehe der Riesen sprechen. Begeben wir uns in das Reich der M&A-Fantasie und betrachten einen Deal, der tatsächlich in allen Bereichen eine Lösung verspricht: eine Fusion zwischen Citigroup und JP Morgan.

Citigroup steht, nachdem Chuck Prince als Chairman und Chief Executive ausgeschieden ist, ohne Chef da. Die Aktien der Großbank dümpeln auf einem Vier-Jahres-Tief und liefern in Fusionsverhandlungen nicht gerade schlagkräftige Argumente. Und der fragliche Wert der Bestände der Bank an US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität, an CDOs, also an Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen, Krediten und anderen Vermögenswerten unterlegt sind, und der Investmentvehikel für strukturierte Produkte sollten jeden möglichen Partner nachdenklich stimmen.

Welche Vorteile könnte ein solcher Deal also bringen? Der Chef von JP Morgan, Jamie Dimon, ist für viele Investoren die erste Wahl, wenn es um die Nachfolge von Prince geht. Er hat nicht nur mehr als ein Jahrzehnt damit zugebracht, dem Ex-Citigroup-Chef Sandy Weill die Taschen auf dessen Einkaufstour hinterher zu tragen, aus der schließlich Citigroup entstanden ist. Dimon hat bei JPMorgan auch das Modell eines Finanzsupermarkts zum Wohl der Aktionäre umgesetzt. Die Aktien von Citigroup sind in den vergangenen vier Jahren um 31 Prozent gesunken, während die von JPMorgan um 23 Prozent zugelegt haben.

Und die Bankenaufsicht könnte weniger beschwerliche Entflechtungen verlangen als bei einem Zusammengehen mit der Bank of America. Citigroup-JP würde über Einlagen von 719 Mrd. Dollar verfügen bzw. über 10,7 Prozent des US-Markts, wie Zahlen der Federal Deposit Insurance Corp. zeigen. Um unter der Obergrenze von zehn Prozent zu bleiben, müsste sich der fusionierte Gigant von 50 Mrd. Dollar trennen. Das ist ein Klacks, wenn man berücksichtigt, dass die Bestände von Citigroup an Geldern, die von Großkunden zu Geldmarktsätzen angelegt werden, relativ unrentabel sind. Zwar könnte es Bedenken über die Konzentration von Citigroup-JP auf Kreditkartenvermögenswerte geben, aber die würde sicher eine ganze Reihe von Konkurrenten gern übernehmen.

Die Synergien wären allerdings gepfeffert. Eine Verringerung um 15 Prozent beim jährlichen zinsunabhängigen Aufwand der beiden Kreditinstitute über zusammen 93 Mrd. Dollar – ein Schätzwert der Investmentbanker für so genannte Fusionen „innerhalb des Markts“ – würde in drei Jahren potenzielle Einsparungen über 14 Mrd. Dollar abwerfen. Besteuert , abgezinst und mit einem Vielfachen von zehn versehen, würden sie rund 82 Mrd. Dollar erreichen – damit würde sich der derzeitige Marktwert der beiden Banken zusammen möglicherweise um mehr als 25 Prozent erhöhen.

So schön dies alles auf dem Papier aussieht, wäre es doch für das Management eine enorme Herausforderung. Auch wenn Dimon ein erfahrener Veteran auf dem Feld der Bankenfusionen ist, hätte er doch zu kämpfen, wenn er das Investment Banking von Citigroup mit seinem eigenen verschmelzen sollte. Natürlich könnte man dies auch umgehen, wenn man das Corporate und das Investment Banking von Citigroup direkt an die Aktionäre weitergeben würde. Allein der Entwurf dieses ganzen Szenarios reicht wohl schon aus, um das Blut der Investmentbanker in Wallung zu bringen.

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