US-Banken
Milliarden vom Staat

JP Morgan und Morgan Stanley sagen sich von der staatlichen Unterstützung ihrer Schuldtitel los. Das staatliche Hilfsprogramm hat einige Banken vor dem Untergang bewahrt und dem Bankensektor Finanzierungskosten über bis zu 36 Mrd. Dollar erspart. Kredite ohne Garantie sind für die meisten Banken aber immer noch zu teuer, um damit ihr Geschäft rentabel zu finanzieren.
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Einige US-Banken befreien sich langsam von der staatlichen Stützung ihrer Schuldtitel. JP Morgan und Morgan Stanley haben dem Temporary Liquidity Guarantee Programme (TLGP) des US-Einlagensicherungsinstituts FDIC sogar öffentlich abgeschworen. Das ist doch gut, oder nicht? Nun ja, das schon. Es ist in der Tat ermutigend, dass die Hilfe seitens der Steuerzahler weniger stark nachgefragt wird, besonders jetzt, da das Programm ursprünglich eigentlich auslaufen sollte, bevor es bis Oktober verlängert wurde. Trotzdem gibt es ein Problem: Nicht garantierte Schuldtitel sind für die meisten Banken immer noch zu teuer, um damit ihr Geschäft rentabel zu finanzieren.

Natürlich gehörte es auch nicht zum Hauptanliegen der US-Regierung, den Banken bei Kostensenkungen zu helfen, als sie das TLGP im vergangenen Herbst eingeführt hatte. Damals hätten viele Banken Schwierigkeiten gehabt, überhaupt Schuldtitel zu begeben. Durch die Komplettabsicherung durch Uncle Sam konnten sie dies zu Kosten vornehmen, die zwar nicht so günstig waren wie in den guten alten Zeiten vor dem Crash. Doch wenigstens waren sie so in der Lage, überhaupt Mittel aufzunehmen.

Dies hat wahrscheinlich eine ganze Reihe von Banken über Wasser gehalten. Und das TLGP hat dem Sektor ganz sicher eine beträchtliche Summe an Zinszahlungen erspart. Um das Ausmaß über den Daumen zu peilen, geht man am Besten vom Unterschied zwischen dem Kupon von durchschnittlich 2,25 Prozent aus, der auf vom FDIC gestützte Papiere mit Festzins fällig ist, und den Kupons von sechs bis 7,4 Prozent, die die Banken zahlen mussten, wenn sie auf sich gestellt waren. Bezieht man dies auf die fest- und variabel verzinslichen Papiere über 270 Mrd. Dollar, die gemäß dem TLGP emittiert wurden, dann sieht es so aus, als ob der Bankensektor acht Mrd. bis zwölf Mrd. Dollar im Jahr gespart hätte. Wenn sämtliche Papiere mit der gleichen, gemäß dem Programm erlaubten maximalen Laufzeit von drei Jahren versehen wären, kämen 36 Mrd. Dollar zusammen.

Das ist ein ansehnlicher Betrag und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Banken so eifrig an dem Programm teilnahmen. Jetzt hat sich natürlich der Markt für nicht garantierte Titel wieder aufgetan - selbst die Citigroup konnte einen Deal über die Bühne bringen. Aber teuer ist es immer noch. Der durchschnittliche Kupon nicht garantierter Emissionen lag im Mai bei 6,3 Prozent und damit höher als die durchschnittliche Rendite von 4,4 Prozent auf Ertrag bringende Vermögenswerte der Banken und weit höher als ihre durchschnittlichen Finanzierungskosten, die bei 1,4 Prozent liegen, wie Barclays Capital schreibt. Mit anderen Worten: Schuldtitel zu begeben, kostet die Banken Geld.

Falls keine weiteren Katastrophen auftreten, sollten die Kreditkosten natürlich auch wieder zurückgehen. Und mit dem Großteil der jüngsten nicht garantierten Schuldtitel, die sie begeben haben, wollten die Banken die Regierung überzeugen, ihnen die Rückzahlung der Mittel des Troubled Asset Relief Programme zu gestatten.

Da sie bereits eine Fülle von durch das FDIC gestützten Papieren begeben haben, brauchen die meisten Banken derzeit nicht unbedingt und sofort neue Mittel. Sie werden also zum derzeitigen Niveau nicht allzu viele nicht garantierte Schuldtitel verkaufen müssen. Aber die FDIC-Garantie aufzugeben, bedeutet nicht, dass die Banken plötzlich alle ihre Finanzierungsprobleme gelöst haben.

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