US-Banken
Morgan Stanley: Nicht ganz so reichlich

Morgan Stanley hinterlässt US-Finanzminister Geithner ein kleineres Trinkgeld als Goldman Sachs. Die Bank hat ihre Tarp-Warrants für 950 Mill. Dollar zurückgekauft, der Konkurrent für 1,1 Mrd. Dollar. John Macks Firma konnte es sich leisten, ein bisschen härter mit dem Finanzministerium zu verhandeln. Schließlich hat sie an der Krise nicht ganz so viel verdient.
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Morgan Stanley hat US-Finanzminister Tim Geithner weniger Trinkgeld überlassen als Goldman Sachs. Die Bank hat ihre Warrants, die sie im Rahmen des Troubled Asset Relief-Programms an das Ministerium ausgegeben hatte, für 950 Mill. Dollar zurückgekauft, Goldman für 1,1 Mrd. Dollar. Das ergibt Sinn. John Macks Firma konnte es sich leisten, ein bisschen härter mit dem Treasury zu verhandeln. Schließlich hat die Bank nicht ganz so reichlich an der Krise verdient.

Jede der beiden Firmen hatte dem US-Finanzministerium ursprünglich Bezugsrechtsscheine im Wert von Aktien über 1,5 Mrd. Dollar eingeräumt, als die US-Regierung gemäß dem Bankenrettungsprogramm jeweils zehn Mrd. Dollar investierte. Wie Warrants im Einzelnen bewertet werden, ist ein komplexer Vorgang. Und die Bezugsrechtsscheine von Morgan Stanley könnten etwas weniger wert gewesen sein als die von Goldman, unter anderem etwa weil sich die Aktienkurse der beiden Banken seit der Emission der Warrants unterschiedlich entwickelt haben.

Aber Morgan Stanley hat auch ein bisschen mit dem Treasury gehandelt. Goldman dagegen hat, von der Öffentlichkeit wegen der Gewinne und aufgelaufenen Vergütungen streng beäugt, das erstbeste Angebot des Finanzministeriums angenommen, auch wenn dies viel höher ausgefallen war, als die Firma zu zahlen vorgeschlagen hatte.

Ein ist ein schwaches Lob anzudeuten, Morgan Stanley habe es sich leisten können, etwas unnachgiebiger zu verhandeln, weil die Bank in der Krise nicht ganz so gut abgeschnitten hat. Aber Goldman war wohl der Überzeugung, dass selbst ein Drängen auf einen nur leicht niedrigeren Preis die Image-Probleme der Bank noch weiter verschärft hätte.

Nach Angaben von Morgan Stanley haben die US-Steuerzahler, nachdem die Zinsen auf die jetzt zurückgezahlte Tarp-Investition zur Warrant-Zahlung hinzuaddiert wurden, eine Anlagenrendite von annualisierten 20 Prozent erzielt. Ob zufällig oder nicht, wird damit genau das Niveau überschritten, das notwendig ist, um die Bank psychologisch in dieselbe Kategorie zu stecken wie den Konkurrenten Goldman, der nach eigenen Aussagen 23 Prozent abgeliefert hat.

Irgendwie läuft das doch verkehrt herum. Beide Unternehmen waren kurzzeitig in ernster Gefahr, aber Morgan Stanley war als Erste dran und daher für die Regierung wohl die riskantere Investition. Aber im Moment steht die Firma nicht ganz so kerngesund da wie Goldman. Vielleicht gibt ihr dies das Recht, eine weniger üppige Dankesbotschaft zu übermitteln.

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