US-Banken
Morgan Stanley will zurück zu den Wurzeln

Morgan Stanley stutzt ihre riskanteren Tätigkeiten und kehrt zu ihren Wurzeln im kundenorientierten Geschäft zurück. Das ist ein vernünftiger Rückzug, denn nur eine geschickte Steuerung der Bilanz hat es der Wall Street-Bank erspart, dass ein schlechtes viertes Quartal nicht noch verheerender ausgefallen ist. Die Neuausrichtung bedeutet aber auch, dass die Ergebnisse möglicherweise weiter unten angesiedelt werden müssen.

Drei Jahre hat das Experiment von Morgan Stanley, Goldman Sachs zu imitieren, gedauert. Jetzt ist es zu Ende. Die Wall Street-Bank stutzt ihre riskanteren Geschäftstätigkeiten und kehrt zu ihren Wurzeln zurück, bei denen der Kunde im Mittelpunkt steht. Das ist ein vernünftiger Rückzug. Gleichzeitig steht aber zu befürchten, dass sich dadurch die Ertragskraft der Firma verringert.

Für John Mack ist dies eine radikale Kehrtwende. Angestachelt von den Rekordergebnissen, die Erzrivale Goldman Sachs während des Booms erzielte, hatte Mack die Aktivitäten bei Morgan Stanley ausgebaut, die eine größere Risikobereitschaft erfordern, nachdem er im Juni 2005 als Chief Executive zu der Firma zurückgekehrt war. Zwar hat die Bank nicht in demselben Ausmaß Einbußen verbuchen müssen wie viele ihrer Branchenkollegen, aber die Ergebnisse im vierten Quartal offenbaren genug Ungemach, so dass eine Strategieänderung durchaus angezeigt scheint.

Goldman Sachs und Morgan Stanley haben im Quartal per November jeweils knapp über zwei Mrd. Dollar verloren. Beide mussten Abschreibungen auf Vermögenswerte - wie etwa auf Übernahmefinanzierungen, Hypothekentitel und auf eigene Beteiligungen wie Immobilien - vornehmen. Dass es bei einigen Bereichen weiter abwärts gegangen sein musste, war vorherzusehen, wenn man bedenkt, dass die Märkte im September und Oktober zeitweise befürchtet hatten, es gehe mit Morgan Stanley ohnehin bald ganz zu Ende.

Die Ergebnisse der Bank wären allerdings noch schlechter ausgefallen, wäre nicht ein wenig geschickte Bilanzsteuerung zum Einsatz gekommen: Durch den Rückkauf von eigenen Schuldtiteln über rund zwölf Mrd. Dollar auf einem Not leidenden Niveau erhöhten sich die Einnahmen um 2,8 Mrd. Dollar. Zudem wurde der Handel auf eigene Rechnung in Mitleidenschaft gezogen. Die Verluste in diesem Bereich gehörten nach den Aussagen von Finanzvorstand Colm Kelleher mit zu den Gründen, warum die Aktienhandelsergebnisse um ein Drittel fielen, während sie bei Goldman solide geblieben waren. Alles in allem wird Morgan Stanley beim Handel auf eigene Rechnung bald fast nur noch pro forma präsent sein.

Nun kann man Goldman auch nicht gerade als immun bezeichnen. Aber aufgrund ihrer Kultur hat die Firma keine solch großen Berührungsängste, Risiken bei Beteiligungen auf eigene Rechnung einzugehen - was die Führungskräfte am Dienstag noch einmal bekräftigten. Allerdings werden die zutiefst verunsicherten Anleger kurzfristig keine weiteren Verluste mehr hinnehmen wollen. Daher sieht die Rückkehr von Morgan Stanley zu ihrem traditionellen Bankgeschäft, das sich um den Kunden dreht, vernünftig aus.

Diese Entscheidung führt jedoch zu der kniffligen Frage, wo in Zukunft die Erträge herkommen sollen. Der Fremdkapitalhebel ist niedrig, das Konsortialgeschäft und die Beratung dümpeln kraftlos vor sich hin und man hat sich dagegen entschieden, im Handel aufs Ganze zu gehen. Vielleicht dauert es ein oder zwei Jahre, bis sich eine Erholung einstellt. Aber so wie es derzeit aussieht, wird selbst das Erreichen des Grundziels einer Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent im kommenden Jahr zu einem Kraftakt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%