US-Banken
Ohne Vater Staat und Mutter aus der Industrie

Ohne die Art von staatlichen Kreditgarantien, wie sie GE so großzügig ausnutzen konnte, wird der Finanzierer CIT nicht in der Lage sein, seine Bilanz zu finanzieren. Er wird eventuell schließen müssen.
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Geht man von den reinen Zahlen aus, dann wird man kaum einen Unterschied zwischen dem Finanzbereich von General Electric und CIT finden, dem Finanzierer, der gerade die Insolvenzanwälte herbeigerufen hat. Tatsächlich ermöglicht der Überlebenskampf von CIT einen exzellenten Einblick in die Situation, wie sie sich für GE Capital darstellen würde, könnte sich der Finanzzweig von GE nicht auf die dicke Brieftasche seiner Muttergesellschaft - und die außerordentliche Freigiebigkeit der US-Regierung - verlassen.

Sowohl CIT - die in der vergangenen Woche die Anwälte von Skadden Arps mit der Beratung über ihre Finanzierungsoptionen beauftragt hat - als auch GE Capital halten an Geschäftsmodellen fest, die nicht mehr funktionieren: Längerfristige Kredite an Kunden weitgehend durch kurzfristige Finanzierungen auf den Kapitalmärkten zu unterfüttern.

Solche Finanzierungswege sind heutzutage fast vollständig versperrt. GE Capital kann von Glück sagen, eine reiche Mutter aus der Industrie zu haben, die hilfreich einen Teil ihrer Dividendenzahlungen und ihres Kapitals in ihr Finanzgeschäft umgeleitet hat. Bei CIT ist das anders: Das Finanzunternehmen war vor ein paar Jahren aus dem konkurrierenden Industriemischkonzern Tyco ausgegliedert worden.

Und GE Capital hat sich auch aufs Üppigste bei dem staatlichen Temporary Liquidity Guarantee Program (TLGP) bedient. Dadurch konnte die GE-Finanztochter Anleihen über sage und schreibe 109 Mrd. Dollar emittieren, die von Uncle Sam garantiert werden. Damit ist GE Capital der größte Einzelnutzer des Programms, das vom US Federal Deposit Insurance Corp-Einlagensicherungsinstitut (FDIC) verwaltet wird.

Seltsamerweise steht der Antrag von CIT auf Teilnahme am TLGP seit Januar aus. Und dabei gleichen sich CIT und GE Capital aufs Haar, wobei CIT wohl immer noch ein etwas besseres Bild abgibt, wenn man die beiden hässlichen Entchen der Finanzwelt direkt vergleicht. Im ersten Quartal wies CIT ein Eigenkapital von zehn Prozent in Bezug auf ihre Vermögenswerte von 76 Mrd. Dollar aus - höher als die 9,6 Prozent bei GE Capital.

Darüber hinaus zeigte sich CIT weniger abhängig von kurzfristigen Finanzierungen als ihre weit größere Rivalin. GE Capital - mit Vermögenswerten über 636 Mrd. Dollar - stuft 176 Mrd. Dollar bzw. 28 Prozent der Vermögenswerte als kurzfristig ein. Nach Angaben von CIT müssen 17,1 Mrd. Dollar ihrer Mittel innerhalb von zwölf Monaten zurückgezahlt werden - das entspricht 22,5 Prozent ihrer gesamten Vermögenswerte.

CIT könnte vielleicht doch noch Zugang zum TLGP erhalten und ihren Refinanzierungsengpass überwinden. Aber die Mühen des Kreditinstituts sollten GE zwingende Argumente dafür liefern, zum langfristigen Wohl der Aktionäre damit zu beginnen, das Finanzgeschäft zurückzubauen und sich schließlich ganz daraus zurückzuziehen.

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