US-Banken
Schweigen ist Gold

Die deutlichen Worte, mit denen der JP Morgan Chef Jamie Dimon die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung kritisiert, können erfrischend wirken. Vor allem, weil sich die Kollegen aus der Branche in verklausuliertem Schweigen hüllen. Aber manchmal übertreibt Dimon mit seinen Attacken.
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Jamie Dimon ist nicht gerade für seine Zurückhaltung bekannt. Die Bereitschaft des Chefs von JPMorgan, offen Kritik zu äußern, kann tatsächlich sehr erfrischend wirken. Zum Beispiel, wenn er es bemängelt, dass die US-Regierung ihre Rettungsprogramme rückwirkend geändert hat. Und oft trifft er mitten ins Schwarze. So möchte man auch nicht an ihm herumkritteln, wenn er, wie vor kurzem, das Troubled Asset Relief Programme (Tarp) der US-Regierung als "Tarp-Baby" oder als "scharlachroten Buchstaben" bezeichnet - mit dem in dem gleichnamigen Roman von Nathaniel Hawthorne die Hauptfigur als Ehebrecherin gebrandmarkt wird. Nur wenige seiner Branchenkollegen hatten bisher den Mut, sich öffentlich so zu äußern. Und viele können es nachvollziehen, dass Dimon davor zurückscheut, am Public-Private Investment Programme der Regierung teilzunehmen und seine Ablehnung damit begründet, die Bank habe ihre "Lektion darüber gelernt", was es heißt, sich Geld von der Regierung zu leihen.

Aber manchmal segelt Dimon zu hart am Wind. Im April hatte er beteuert, JP Morgan müsse kein Kapital sammeln, um die Tarp-Gelder zurückzuzahlen. Einige Beobachter haben sich schon gefragt, ob nicht gerade diese Äußerung der Auslöser dafür war, dass die US-Regierung entschieden hat, sogar gesunde Banken müssten genau dies tun. Sicher, sein Kommentar war eher als spitze Bemerkung in Richtung von Goldman Sachs, die damals gerade Kapital aufgenommen hatte, interpretiert worden. Zudem hatte Dimon seine Bemerkung mit der Einschränkung versehen, die Aufsichtsbehörden seien vermutlich ohnehin anderer Meinung. Aber es ist schon aufschlussreich, dass einige Konkurrenten dem Mann so viel Einfluss zutrauen - ob zu Recht oder zu Unrecht.

In dieser Woche ist der JP Morgan-Chef erneut gegen die Regierungsinterventionen ins Feld gezogen. Zuerst hat er bei einer Konferenz einen erfundenen Brief an US-Finanzminister Tim Geithner vorgelesen: "Lieber Timmy, wir sind hoch erfreut, die 25 Mrd. Dollar zurückzahlen zu können, die du uns geliehen hast. Wir hoffen, dir hat die Erfahrung genau so viel Spaß bereitet wie uns."

Dahinter steckt vielleicht nicht mehr als ein wenig derber Humor. Doch Dimon ließ es dabei nicht bewenden. Die US-Regierung sollte die Hälfte der Warrants, die an die Tarp-Investitionen in Banken gebunden sind, "aus Fairness" streichen, setzte er nach. Das könnte bei so manchem Anklang finden - warum sollte eine Bank, die die Tarp-Mittel nicht benötigt hat und die zu den ersten gehört, die sie wieder zurückzahlt, gezwungen werden, eine der damit verbundenen Bedingungen erfüllen, die zu einer Verwässerung ihrer Aktionäre führt?

Aber dieser Seitenhieb ist nicht so treffsicher geführt, wie seine verbalen Angriffe gegen die törichten Veränderungen am Tarp und dem PPIP. Die Optionsscheine waren von Anfang an Teil des Tarp-Pakets, das im vergangenen Oktober geschnürt worden war. Und abgesehen von allem anderen ist JPMorgan immerhin fast neun Monate lang in den Genuss billigen Geldes von den Steuerzahlern gekommen. Vielleicht handelt es sich hier nur um eine von Dimons kühnen Wetten. Und wenn die US-Regierung schwach wird und einen Teil streicht, dann wird er als Held gefeiert. Aber manchmal ist es vorteilhafter, zu einigen Themen einfach zu schweigen.

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