US Banken
Unvollkommener Markt?

Die Antrittsauktion von Tarp-Warrants gibt Jamie Dimon auf den ersten Blick Recht. Die öffentliche Versteigerung des US-Finanzministeriums für seine Optionsscheine von Capital One hat einen eher niedrigen Wert erbracht. Sicher, es handelt sich um einen Marktkurs - allerdings lässt er die vorherigen Rückkäufe durch Goldman und Morgan Stanley als üppig erscheinen.
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Das US-Finanzministerium hat mit einer ersten Versteigerung von Tarp-Warrants einen Marktmechanismus für deren Verkauf erfolgreich getestet. Das Treasury hatte den amerikanischen Banken gemäß dem US-Rettungsprogramm Tarp auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Mittel zugeführt und im Gegenzug dafür die Optionsscheine erhalten. Doch die Antrittsauktion ließ frühere Rückkäufe, die mit dem Ministerium ausgehandelt worden waren, gleichzeitig als üppig erscheinen - und legt nahe, dass Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan, seinen Aktionären einen Dienst erwiesen hat, indem er seine Warrants nicht zurückkaufte.

Den Banken, die sich nicht auf einen Preis einigen können oder die Optionsscheine nicht zurückkaufen wollen, bietet das US-Finanzministerium die Option, diese an den Meistbietenden zu versteigern. In einer von der Deutschen Bank geleiteten "Dutch Auction" - bei der ein über dem Marktwert liegender Ausbietungspreis angesetzt und dann stufenweise herabgesetzt wird, bis ein Verkauf zustande kommt , - kamen jetzt erstmals zehnjährige Warrants zur Versteigerung, die dem Käufer das Recht einräumen, fast 13 Mill. Aktien der im Kreditkarten- und Privatkundengeschäft tätigen Bank Capital One Financial zu erwerben.

Positiv ist, dass der Vorgang ohne große Störungen über die Bühne gegangen ist. Allerdings könnte der erzielte Preis beim US-Finanzministerium für Ernüchterung sorgen. Auf der einen Seite lässt sich nur schwer über einen vom Markt getriebenen Prozess streiten. Auf der anderen Seite deutet die Auktion auf niedrigere Preise hin als die, die die US-Regierung bei jüngsten Rückkaufdeals unter anderen mit Goldman Sachs und Morgan Stanley erreicht hatte.

Die Optionsscheine von Capital One wurden für fast 150 Mill. Dollar verkauft. Allerdings hatten Experten, die ihren Optionswert zusammen mit Abschlägen für die Illiquidität und anderen Faktoren untersucht hatten, deren Mindestwert auf mehr als 200 Mill. Dollar veranschlagt, wobei die Schätzungen bis fast 400 Mill. Dollar reichten.

Ein einfacher, wenn auch unvollkommener Weg, den Wert von Warrants unterschiedlicher Banken zu vergleichen, liegt darin, sie gemäß dem prozentualen Anteil des Werts der zugrunde liegenden Aktien zu untersuchen. Im Fall von Capital One hat das Treasury nur knapp über ein Viertel des Werts der zugrunde liegenden Aktien eingebracht. Das ist zwar mehr, als das Finanzministerium im Mai bei einem ersten minimalen Warrant-Rückkauf durch die Old National Bancorp eingenommen hatte. Aber es ist auch weit weniger als die rund 70 Prozent, die Goldman dem Treasury im Juli zahlte, um seine Optionsscheine zurückzukaufen.

Goldman mag mehr gezahlt haben, um der Kritik zu entgehen. Doch Dimon hatte es abgelehnt, auf die Preisforderungen des Treasury einzugehen. Die Warrants von JP Morgan stehen in Kürze zur Versteigerung an. Legt man das gleiche einfache Vielfache wie bei Capital One zugrunde, dann könnte das US-Finanzministerium vielleicht nur eine Mrd. Dollar für seine JP Morgan-Warrants erhalten.

Da es sich bei ihnen um liquidere Instrumente handelt, sollten sie mehr als das einbringen. Trotzdem entspricht der Betrag von einer Mrd. Dollar immer noch viel eher der Preisvorstellung von Dimon als der des Treasury. Von Überraschungen einmal abgesehen, scheint Dimon den möglichen Marktkurs besser angepeilt zu haben.

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