US-Banken
Wer kann das alles?

Der Hang ihrer ehemaligen Chefs, Konkurrenten zu verjagen, und die Abwanderung von Experten zu Hedge Fonds haben Citigroup und Merrill Lynch der Spitzentalente beraubt. Beide müssen ihre oberen Hierarchie-Ränge neu aufbauen. Das Problem, besonders für Citigroup, ist nur, dass es nicht viele Auswahlmöglichkeiten gibt.

Wall Street-Kapitäne: Citigroup und Merrill Lynch müssen schnell glaubwürdige Chefs finden. Aber das wird nicht die Patentlösung für all ihre Probleme sein. Der Hang ihrer früheren CEOs, mögliche Rivalen zu vergraulen, und die Abwanderung von Experten zu Hedge Fonds, haben auch die oberen Hierarchie-Ebenen der beiden in Schwierigkeiten geratenen Häuser dezimiert. Das Problem, besonders für Citigroup ist, dass die Liste der qualifizierten Kandidaten, die direkt dem CEO unterstellt wären, nicht gerade lang ist.

Relativ gesehen, ist Merrill Lynch kleiner und hat deshalb den Vorteil, weniger komplex zu sein. Die Herausforderung für die „Donnernde Herde“ ist es, Führungspersönlichkeiten zu finden, die sich mit Festverzinslichen auskennen, um die Investoren zu beruhigen, dass die Risikofreude bei Merrill Lynch unter Kontrolle bleibt. Es würde enorm helfen, wenn man Larry Fink als neuen Chef anlocken könnte. Er leitet mit Erfolg den Bond-Manager Blackrock und versteht etwas von strukturierten Produkten. Er könnte vielleicht sogar einige seiner Kollegen mitbringen, er könnte Goldman Sachs oder Lehman Brothers oder anderen Talente abjagen und mit ein bisschen Überredungskunst vielleicht sogar einige Könner von den Hedge Fonds zurück zur Wall Street locken.

Bei Citi ist mehr vonnöten. Aber selbst im Pool für den Spitzenjob sind nur wenige, die ausreichend Erfahrung in den ausufernden Bereichen Retail- und Investment Banking der US-Megabank haben - von der Fähigkeit, die gewaltige Bilanz zu steuern, einmal ganz abgesehen. Der als heißer Favorit gehandelte John Thain von NYSE Euronext, zum Beispiel, hat die nicht. Deshalb sollte der Board von Citigroup auch daran denken, dem neuen Chef einen oder zwei starke Leutnants zur Seite zu stellen und sie neben Gary Crittenden, dem angesehen Finanzvorstand, zu platzieren.

Aber wer? Einer der Kandidaten könnte Nino Fanlo, der Finanzchef von KKR, sein. Als ehemaliger Leiter der Finanzabteilung von Wells Fargo, kennt er sich sicherlich mit vielschichtigen Bilanzen aus. Davor war er Derivate-Spezialist bei Goldman. Ein anderer wäre William Demchak, Vize-Chairman für Finanzen bei PNC. Nachdem er zuvor als einer der Fachleute für strukturierte Finanzprodukte von JPMorgan gearbeitet hatte, leitet er jetzt den Investment Banking-Bereich der Bank in Pennsylvania und betreut die Bilanz mit.

Und dann wäre da noch Al de Molina, der Ex-Finanzchef der Bank of America. Er arbeitet jetzt als Chief Operating Officer von GMAC. In seinen 17 Jahren bei der Bank hat er sich den Ruf erworben, Risikomanagement mit Grips zu betreiben: Er hatte die Verantwortung für das Bond-Portfolio über 400 Mrd. Dollar der Bank und später für die Bilanz über fast 1,5 Bill. Dollar. Er war eingeflogen worden, um die Investitionen der Bank in DE Shaw zu retten, als der Hedge Fonds 1998 beinahe LTCM ins Grad gefolgt wäre. Und er hat sogar einen Abstecher in die Investment Banking-Abteilung der Bank gemacht. Dort hatte er bis 2005 Sicherungsgeschäfte über rund 17 Mrd. Dollar gegen eine mögliche Verschlechterung der Kreditkonditionen installiert, die bis zum Juni dieses Jahres fast alle von seinen Nachfolgern aufgelöst worden sind.

Diese drei Männer haben de Hintergrund, den Citigroup dringend braucht, um ihren Aktionären zu versichern, dass die Bank wieder auf die Füße kommt. Und es gibt dabei noch einen weiteren Vorteil, falls sich die Manager als würdig erweisen: Citigroup hätte endlich einen eingebauten Plan für die Unternehmensnachfolge.

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