US-Banken
Zockerei um die Bank of Amerika

Ein Hedgefonds wird zum viertgrößten Aktionär der Bank of Amerika. Auf dem ersten Blick scheint der Einstieg an ein Glücksspiel zu erinnern. Die US-Bank ist noch lange nicht über den Berg. Was hinter dem Deal steckt.
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John Paulson und Sallie Krawcheck setzen eine Menge auf die Rückkehr der glücklichen Zeiten bei Bank of America. Der Hedgefondsguru kaufte nach Angaben der Finanzaufsichtsbehörden im vergangenen Quartal 168 Millionen Aktien der Bank und ist jetzt ihr viertgrößter Aktionär. Inzwischen stieg auch Citigroups frühere Vermögensverwaltungs- und Finanzchefin ein, um die Leitung der Anlagenverwaltung und des Merrill-Lynch-Brokergeschäfts der BofA zu übernehmen - auch sie investierte eine Millionen Dollar in die Aktien der Bank.

Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck eines Glücksspiels. Schließlich ist die BofA noch nicht überm Berg. Im Kerngeschäft wird sie im Jahresverlauf weiter Geld verlieren und auch im kommenden Jahr dürfte noch einmal eine Aufstockung der Kreditausfallreserven notwendig werden. Verschiedene Übernahmen während des Booms und in der Krise führten entweder zu einem Verzehr von wertvollem Kapital oder enthüllten Mängel im Risikomanagement - oder beides - und zwangen die Bank schließlich die Hilfe der Steuerzahler in Form von 45 Milliarden US-Dollar in Anspruch zu nehmen. Und die Schwindeleien um die Höhe der Verluste und Bonuszahlungen zum Jahresende bei Merrill Lynch kosteten CEO Ken Lewis den Posten im Verwaltungsrat und seine Reputation.

Aber die BofA kann mehr in die Waagschale werfen als Citi, das andere Schwergewicht, dem der Staat unter die Arme greifen musste. Zum Beispiel litt BofA nie unter der Erstarrung, die Citi erfasste und die dazu führte, dass die New Yorker Megabank Probleme bekam, ihre Gewinnerwartungen zu erfüllen oder positive Ergebnisbeiträge im operativen Geschäft zu erwirtschaften, und das schon während des Booms.

Die Frage ist nun, was die BofA tatsächlich wert ist. Ihr Kurs schnellte seit den Tiefständen im Februar um mehr als das Siebenfache in die Höhe. Paulson hat an seinem Investment schon mindestens 22 Prozent verdient - und hätte sogar schon 150 Prozent gutmachen können, wenn er all seine Aktien bereits Anfang April gekauft hätte. Aber die Aktien werden zurzeit nur mit 75 Prozent ihres Buchwerts gehandelt. Unter Berücksichtigung der voraussichtlich noch anstehenden Verluste dürfte sich der Buchwert wohl auf diesem Niveau einpendeln.

Einen Kurs in Höhe des zweifachen Buchwerts, wie Konkurrent US Bancorp, verdient BofA wahrscheinlich nicht, vor allem da die Bank auch noch eine große Investmentbank besitzt. Auch das 1,85-fache, zu dem sie noch 2006 gehandelt wurde, dürfte zu hoch gegriffen sein. Aber ein Marktwert in Höhe des 1,5-fachen Buchwerts klingt für eine BofA nach Überwindung der Krise vernünftig. Mit anderen Worten, der Kurs hat noch 50 Prozent Spielraum nach oben.

Natürlich gilt das nur, wenn sich die US-Konjunktur im kommenden Jahr erholt und nicht in eine neue Rezession schlittert, die zu erneuten Verlusten führt. Paulson wird in diesem Fall allerdings smart genug sein, rechtzeitig auszusteigen. Und zusätzliche Probleme auf Lewis Schultern könnten für Krawcheck von Vorteil sein. Für beide also ein Glücksspiel, bei dem sich das Risiko lohnt.

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