US-Bankensektor
Bostoner Swing

Sicher, State Street musste 618 Mill. Dollar für gerichtliche Auseinandersetzungen um ihre Anleihe-Fonds zurücklegen. Das könnte ihrem Ruf schaden. Aber das Geldmanagement macht nur einen kleinen Teil des Geschäfts der Bank aus. Und sie produziert in anderen Bereichen in einem harten Markt gute Ergebnisse.

State Street ist neuerdings schwer in Fahrt. Die Aktien der Bostoner Bank erreichten am Donnerstag ein Rekordhoch, nachdem sie seit den Hundstagen im August um fast 45 Prozent gestiegen sind. Damals hatten die Investoren befürchtet, das Institut müsse vielleicht seine mit Forderungen besicherten Zweckgesellschaften in die eigene Bilanz hereinnehmen. Diese Bedenken gehören nun der Vergangenheit an. Sie wurden abgelöst von überschwänglicher Freude darüber, dass State Street in der Lage ist, gute Ergebnisse in einem harten Umfeld zu produzieren. Selbst eine Rücklage über 618 Mill. Dollar für gerichtliche Auseinandersetzungen sollte den Glanz nicht trüben.

Sicher, der Aufwand kommt nicht gerade gelegen. Gegen den Asset Management-Bereich der Bank, State Street Global Advisors, wurde eine Reihe von Prozessen angestrengt, darunter eine Klage von Prudential. Der Division wird vorgeworfen, Bond-Fonds fälschlicherweise als Investition mit niedrigem Risiko verkauft zu haben, obwohl die Abteilung Positionen bei Wertpapieren angehäuft hatte, die im Zusammenhang mit US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität standen.

Das könnte ihren Ruf als Geldmanager beschädigen und die Ergebnisse in diesem Bereich treffen. Aber davon ist bisher noch nichts zu spüren. Und das Investment-Management macht ohnehin einen relativ kleinen Teil des Geschäfts von State Street aus: Im dritten Quartal des letzten Jahres wurden dort nur rund 17 Prozent der Einnahmen erwirtschaftet. Außerdem ist State Street viel besser für seine Fähigkeiten als Index-Geldmanager bekannt. Aktiv verwaltete, in festverzinsliche Papiere angelegte Mittel, wozu auch die in Schwierigkeiten geratenen Fonds gehören, belaufen sich auf nur rund zwei Prozent des gesamten verwalteten Vermögens.

Darüber hinaus schaffen es die anderen Abteilungen, in einem harten Umfeld immer noch Gewinne zu produzieren. Der Bereich Custody, also die Verwaltung und Verwahrung hinterlegter Wertpapiere, verzeichnete ein umfangreiches Neugeschäft. Und die jüngsten Kursausschläge der Märkte waren für die Bereiche Devisenhandel und Wertpapierleihe ein wahrer Segen. In der Tat hat das Management angedeutet, dass die Ergebnisse im vierten Quartal um ein Drittel über dem Mittel der Prognosen liegen könnten.

Dies hat die Analysten dazu veranlasst, ihre Schätzungen für 2008 auch anzuheben. Credit Suisse geht jetzt davon aus, dass die Bostoner Bank beim Gewinn um zwölf Prozent auf 5,10 Dollar je Aktie zulegen könnte. Das bedeutet, dass State Street jetzt zum rund 16,5fachen künftiger Ergebnisse gehandelt wird. Wenn State Street es schafft, die Bewertungslücke zum Konkurrenten Northern Trust zu schließen, die mit dem 18,4fachen der Ergebnisse gehandelt werden, ist in den Aktien vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%