US-BIP
Die versteckten Kosten fordern ihren Tribut

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal mit einer Jahresrate von nur 2,2 Prozent gewachsen. Die Zunahme geht fast ausschließlich auf die Lagerbestände, die Ausgaben der Regierung und die US-Version der Abwrackprämie zurück. In der Vergangenheit hatten Erholungsphasen nach einem derart steilen Absturz ein Wachstum von fünf Prozent und darüber hervorgebracht. Wirtschaftliche Verzerrungen und die „Verdrängung“ des Privatsektors könnten ihren Tribut fordern.
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Die wirtschaftliche Erholung in den USA erscheint schwach zu verlaufen und von den fiskal- und geldpolitischen Anreizen des vergangenen Jahres verzerrt zu werden. Dieses Bild zeichnet sich immer deutlicher ab. Der jüngste Beweis: Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im dritten Quartal wurde auf eine Jahresrate von nur noch 2,2 Prozent nach unten revidiert und lässt sich fast ausschließlich auf die Lagerbestände, die Regierungsausgaben und die amerikanische Version der deutschen Abwrackprämie zurückführen. Die Erholungsphasen der Vergangenheit waren viel dynamischer verlaufen. Wirtschaftliche Verzerrungen und die "Verdrängung" des Privatsektors könnten ihren Tribut fordern.

Nach früheren starken Einbrüchen hatte sich die Verbesserung als robust erwiesen und war von einem Umschwung im Lagerzyklus verstärkt worden. Während die nicht sehr tief greifenden Rezessionen der Jahre 2000/01 und der Jahre 1990/91 auch nur einen entsprechend moderaten Auftrieb nach sich zogen, lag die durchschnittliche BIP-Zuwachsrate in den ersten zwei Quartalen nach den vorhergehenden fünf Rezessionen aus den Jahren 1982, 1980, 1975, 1970 und 1958 bei soliden 6,7 Prozent.

Dieses Mal war das Wachstum im ersten Quartal nach der Rezession schwach. Getragen wurde es von den Einzelhändlern und Unternehmen, die einige der Lücken in ihren Regalen und Lagerhallen wieder auffüllten, von Regierungsausgaben und dem "Cash for Clunkers"-Programm im Automobilsektor. In nächster Zeit dürfte von den Lagerbeständen ein weiterer Schub ausgehen, denn im dritten Quartal war immer noch ein beträchtlicher Lagerabbau zu beobachten gewesen. Dennoch könnte angesichts des Rückgangs in der Fertigung und einer effizienteren Lagerbestandskontrolle die Verbesserung bei den Lagerbeständen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Die geld- und fiskalpolitischen Anreize haben im Immobiliensektor eindeutig Ergebnisse erbracht. Der Verkauf bestehender Häuser erholte sich im November auf 6,55 Millionen Einheiten und erreichte damit den höchsten Stand seit Februar 2007 - er lag um weniger als zehn Prozent unter dem historischen Höchststand. Zwar könnte das erwartete Auslaufen der Kredite für "Erstkäufer" am 30. November zu einer Erhöhung der Zahlen geführt haben. Allerdings war ihre Verlängerung bis zum kommenden Juni am 6. November unterzeichnet worden, so dass die Daten nur moderat verzerrt worden sein dürften.

Doch für eine gesunde Kapitalbildung scheint wenig Spielraum zu bestehen. Die US-Sparquote ist gegenüber einem Stand von 5,4 Prozent im vorhergehenden Quartal auf 4,5 Prozent zurückgegangen und zeigt sich damit weit unter dem Niveau, das ein stabiles Wachstum aufrechterhalten könnte. Die Staatsdefizite von zehn Prozent des BIP saugen Ressourcen auf und der Aufschwung im Immobiliensektor verläuft unwirtschaftlich. Gewerbliche Investitionen außerhalb des Wohnungsbereichs sanken im dritten Quartal weiter und liegen jetzt um 21 Prozent unter ihren Spitzenständen. Hier vor allem kommen die Früchte des unzulänglichen Sparens, der übermäßigen Regierungsausgaben und der spekulative Blasen unterstützenden Geldpolitik zum Tragen.

Das Wachstum im vierten Quartal, das Ende Januar veröffentlicht werden soll, könnte durchaus eine annehmbare Steigerung vorweisen, wenn sie auch geringer ausfallen wird als in den vorhergehenden kraftvollen Aufschwungphasen. Dennoch könnten die Details immer noch Beunruhigendes über die langfristige Robustheit der amerikanischen Wirtschaft zu Tage fördern.

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