US-Budgetdefizit: Investoren: Sicherer Hafen Deutschland

US-Budgetdefizit
Investoren: Sicherer Hafen Deutschland

Die zu erwartenden enormen US-Budgetdefizite könnten die Investoren dazu veranlassen, sich einen neuen sicheren Hafen zu suchen. Mit einem Fehlbetrag unter vier Prozent des BIP und im Umfang nur moderaten Konjunkturprogrammen wäre Deutschland dafür ein exzellenter Kandidat. Allerdings gibt es einen Haken.

Die zu erwartenden enormen US-Budgetdefizite könnten die Investoren dazu veranlassen, sich einen neuen sicheren Hafen zu suchen. Mit einem Etatfehlbetrag von unter vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und im Umfang nur moderaten Konjunkturprogrammen wäre Deutschland ein exzellenter Kandidat, um diese Rolle zu übernehmen. Allerdings bringen verschwenderische südeuropäische Volkswirtschaften den Euro in Gefahr und schmälern Deutschlands Anziehungskraft.

Die Spannen der Credit Default Swaps, also der Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen, haben sich bei US-Staatsanleihen jüngst beträchtlich ausgeweitet. Für eine fünfjährige Kreditabsicherung per 20. Januar werden 70 Basispunkte gesehen gegenüber nur zwei Basispunkten im Juli 2007. Das liegt weit über Japans 42 Basispunkten, selbst wenn die staatliche Verschuldung Japans bei etwa 180 Prozent des BIP liegt. Dass die Spreads derart ausufern, kann nicht wirklich überraschen, wenn man bedenkt, dass das erwartete US-Haushaltsdefizit bis September 2009 rund 1,19 Bill. Dollar oder 8,3 Prozent des BIP erreichen soll, bevor das auf zwei Jahre angelegte Konjunkturprogramm von Präsident Obama über 825 Mrd. Dollar dazukommt.

Seitdem die Kreditkrise ihren Lauf genommen hat, sind Mittel aus US-Treasuries abgezogen worden. Dies legt nahe, dass konservative Investoren sich bereits nach einem neuen sicheren Hafen umsehen. Angesichts seines Verschuldungsgrads ist Japan als Alternative wenig überzeugend, während Großbritannien und die Schweiz unter den Risiken ihrer übertrieben großen Finanzsektoren leiden. Kanada und Australien könnten von dem Rückgang der Rohstoffpreise getroffen werden und sind als Anlaufstellen etwas zu klein, um Supertankern wie China und Japan mit ihren offiziellen Reservemitteln von mehreren Billionen Dollar Platz zu bieten. Frankreich hat seine Vorzüge, aber insgesamt erscheint Deutschland als der sicherste Ankerplatz.

Deutschland weist einen Zahlungsbilanzüberschuss von acht Prozent des BIP auf, eine Staatsschuld von 65 Prozent des BIP und ein Budgetdefizit, das sich weder 2009 noch 2010 auf mehr als vier Prozent des BIP belaufen dürfte. Zudem kommt die vorsichtige Wirtschaftspolitik des Landes auf Sicherheit bedachten Investoren entgegen. Und Staatstitel im Volumen von 2,5 Bill. Dollar reichen aus, um Liquidität zu gewährleisten.

Was den Status als ein sicherer Hafen allerdings beeinträchtigt, ist die Zugehörigkeit Deutschlands zur Euro-Zone. Die gefährlichen Positionen mehrerer Euroländer hinsichtlich ihrer Steuer- und Wirtschaftspolitik bringen Komplikationen für Deutschland mit sich. Portugal, Griechenland und Spanien sind jüngst von der Rating-Agentur Standard & Poor?s in der Bewertung ihrer Bonität abgestuft worden, ihre Zahlungsbilanzdefizite liegen etwa bei zehn Prozent des BIP, während Italien auf einem riesigen Schuldenberg sitzt und über eine miserable Haushaltsdisziplin verfügt.

Die deutsche Regierung könnte daher vor die unangenehmen Alternative gestellt werden, dabei zuzusehen, wie die Eurozone auseinander bricht, da mehrere Länder sie vielleicht verlassen - oder sie könnte ihren Haushalt mit Krediten an die südlichen Nachbarn belasten. Beides würde den Status des Landes als sicherer Hafen gefährden.

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