US-Einlagensicherung
FDIC: Überlastet und schlecht ausgestattet

Die Beteiligungsgesellschaften profitieren von den Nöten des US-Einlagensicherungsinstituts FDIC. Das Konsortium, das die insolvente BankUnited übernimmt, erhält angeschlagene Vermögenswerte über 12,7 Mrd. Dollar für nur 900 Mill. Dollar in bar. Die schlechte finanzielle Ausstattung und die enorme Arbeitsbelastung zwingen das FDIC zu Notverkäufen.
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Dem US Federal Deposit Insurance Corporation-Einlagensicherungsinstitut (FDIC) gehen die Mittel aus. Seine Mitarbeiter ächzen unter der Arbeitsbelastung, denn sie müssen die Pleitewelle, die über amerikanische Banken hinwegschwappt, unter Kontrolle bringen. Deshalb scheint das Institut sich auf Notverkäufe verlegt zu haben. Erst im Januar hat das FDIC IndyMac zu einem verblüffenden Abschlag an ein Konsortium von Beteiligungsgesellschaften verscherbelt. Auch die in Florida ansässige BankUnited ging jetzt an eine große Gruppe von Private Equity-Firmen, darunter WL Ross, Carlyle, Blackstone und Centerbridge.

Das Konsortium erhält zweifelhafte Vermögenswerte über 12,7 Mrd. Dollar für eine Investition von nur 900 Mill. Dollar in bar. BankUnited verfügte zum 2. Mai über Kundeneinlagen im Wert von 8,3 Mrd. Dollar. Lässt man andere Faktoren unberücksichtigt, lässt dies darauf schließen, dass die Vermögenswerte um 28 Prozent überbewertet sind.

Doch gleichzeitig wird das FDIC bei der BankUnited einen größeren Anteil der Verluste übernehmen als bei IndyMac, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Das FDIC geht davon aus, dass seine Gesamteinbußen bei 4,9 Mrd. Dollar liegen werden.

Das mag vielleicht sogar noch ein fairer Preis sein - das Portfolio der BankUnited ist wirklich unterirdisch. Rund 80 Prozent des Kreditbuchs der Bank bestehen aus von Maklern hervorgebrachten, schlecht dokumentierten, optional zinsvariablen Krediten aus Südflorida. Das war schon eine ungeheuer leichtsinnige Art und Weise, eine Bank zu leiten. Die Immobilienwerte in dieser Region sind laut Case Schiller-Index gegenüber ihren Spitzenwerten im Jahr 2006 um mehr als 40 Prozent gefallen. Und ein Großteil der Informationen, die die Darlehensnehmer bei ihren Kreditanträgen angegeben haben, war falsch.

Vielleicht hätte das FDIC härtere Forderungen stellen können, doch das Institut steht unter enormem Druck. Die Mittel der Behörde beliefen sich Anfang des Jahres auf 18,9 Mrd. Dollar. Bisher sind in diesem Jahr 33 Pleiten zu verkraften gewesen, die Mittel werden rasch aufgezehrt. Über eine einmalige Aufstockung wird gerade nachgedacht.

Auch die personelle Ausstattung ist ein Thema. Das FDIC hat sich zwar auf die Pleitewelle eingestellt und im Lauf des vergangenen Jahres mehr Mitarbeiter an Bord geholt. Aber es ist nicht klar, ob die Behörde ausreichend auf das, was kommt, vorbereitet ist. Kleine und mittelgroße Banken haben freigiebig Kredite für die Entwicklung von Gewerbeimmobilien vergeben - und viele dieser Projekte kippen jetzt. Vielleicht wird das FDIC auch in Zukunft noch viele, viele Unternehmen einfach verschleudern müssen.

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