US-Einlagensicherung
Handelt die FDIC wie eine Zombie-Bank?

Die Mittel des US-Einlagensicherung gehen zur Neige. Einen Bedarf an neuen Mitteln vom Schatzamt hat die FDIC aber nach eigener Aussage nicht. Das kann schon sein. Aber bevor die klammen Reserven die Abwicklung der schlechten Banken verzögern, sollte sie schleunigst ihre Kassen auffüllen.
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Wenn Banken das Kapital ausgeht, können sie sich in Zombies verwandeln. Statt notleidende Investitionen aggressiv zu restrukturieren und Abschreibungen in Kauf zu nehmen, ziehen es manche Banken vor ihre Kredite vor sich hin faulen zu lassen und auf das Beste zu hoffen. In der Regel führt das jedoch nur irgendwann zu noch größeren Verlusten. Fängt jetzt auch die staatliche Einlagensicherung FDIC an, sich wie eine untote Bank zu verhalten?

Das zu behaupten, klingt skurril. Das US-Finanzministerium hat bereits eine Kreditlinie über 100 Milliarden Dollar zugesagt und weitere 400 Milliarden Dollar stehen für temporäre Notprogramme zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die FDIC den Steuerzahler noch nie einen Cent gekostet hat, weil die Banken für die Einlagensicherung zahlen. Dennoch könnte die Institution fürchten, ihr Gesicht zu verlieren, wenn sie Kredite in Anspruch nimmt, und verhindern wollen, dem Kongress dankbar sein zu müssen.

Aber die Mittel der US-Regulierungsbehörde schrumpfen zusammen. Der Fonds, der zur Absicherung von Einlagen im Volumen von 4,5 Billionen US-Dollar zur Verfügung steht, sank von 13,3 Milliarden Dollar im März auf 10,4 Milliarden Ende Juni. Seitdem sind einige Banken pleite gegangen. Die FDIC schätzt den Verlust allein aus den beiden größten Zusammenbrüchen, Colonial Bancgroup und Guaranty Bank, auf 5,8 Milliarden Dollar.

Für die Agentur spricht, dass sie bereits Rückstellungen für erwartete Verluste, inklusive der Guaranty-Pleite, in Höhe von 32 Milliarden Dollar gebildet hat. Dennoch, die Zahl der in Schwierigkeiten steckenden Banken nimmt rapide zu. Inzwischen befinden sich bereits 416 Banken auf ihrer "Problemliste", die zusammen ein Vermögen von 300 Milliarden Dollar verwalten. Nicht darin enthalten sind Bankenzusammenbrüche wie die von IndyMac, die ohne Umweg über diese Liste direkt in den Armen der FDIC landen. Hinzu kommt, dass der Prozentsatz der Kredite, die sich in gravierendem Verzug befinden, im Juni ein neues 26-Jahreshoch erreichte, während die Rücklagen für langfristige Kreditverbindlichkeiten auf den geringsten Stand seit 1991 fielen.

Gegenwärtig gebe es jedoch keine Pläne, auf die Kreditlinien zurückzugreifen, sagt FDIC-Chefin Sheila Bair, die vorhandenen Mittel und Zuflüsse reichten aus, um alle Verpflichtungen zu erfüllen. Aber bevor die klammen Reserven eine energischere Gangart bei der Abwicklung der schlechten Banken verhindern, sollte sie schleunigst ihre Kassen auffüllen. Wie bei den Zombiebanken auch, könnte ein Hinauszögern von Bankenschließungen, zu noch größeren Verlusten für den Fonds führen. Das gibt den inkompetenten Bankenmanagern Zeit, weitere schlechte Kreditverträge abzuschließen. Aus diesem Grund wird von der FDIC nach dem Gesetz über den unverzüglichen Korrektureingriff (Prompt Corrective Action law) verlangt, unterkapitalisierte Institute zu schließen.

Nach William K. Black, einem Rechtsprofessor und Regulierungsbeamten während der Sparkassenkrise, ist Colonial Bank ein typische Beispiel für die Folgen der Hinhaltetaktik. Das in Not geratene Kreditinstitut, das schon früher durch Regulierungsarbitrage aufgefallen war, erwirtschaftete fünf Quartale in Folge Verluste. Eine Weile konnte die Bank die Insolvenz durch die Aussicht auf 500 Millionen Dollar staatliche Hilfen aus dem Tarp-Programm hinauszögern, die nach einer Kapitalspritze des US-Hypothekenfinanzierers Taylor Bean in Höhe von 300 Millionen Dollar in Aussicht gestellt wurden. Aber Taylor Bean geriet kurz darauf in die Fänge des Justizministeriums und ging pleite. Nach Meinung von Black hätte Colonial schon viel früher von der FDIC geschlossen werden müssen. Taylor Bean war offenkundig ein ungeeigneter Käufer und 800 Millionen US-Dollar waren eindeutig unzureichend, um der Bank wieder auf die Beine zu helfen - ihr Verlust allein im zweiten Quartal betrug schon 600 Millionen Dollar.

Die FDIC kann geltend machen, dass sie nicht die an erster Stelle verantwortliche Aufsichtsbehörde war. Aber als offiziell aufnehmende Behörde von insolventen Finanzdienstleistern mit Kundenkonten ist sie auch für Verluste verantwortlich und sie kann andere Behörden zur Handlung antreiben. Ihre Aufgabe ist es, schnell zu handeln und zu verhindern, das die Wunden des amerikanischen Bankensystem zu eitern anfangen. Eine Aufstockung der Fondsmittel könnte alle Bedenken zerstreuen, dass die FDIC aus Geldnot zu langsam handelt.

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