US-Finanzkonzerne
AIG: US-Regierung muss hart bleiben

Der Versicherer AIG hatte schon immer etwas von einem schwarzen Loch. Jetzt schwinden die Hoffnungen auf den Verkauf von Geschäftsbereichen und die Regierung könnte in Erwägung ziehen, einen Teil der Schulden gegen AIG-Aktien zu übernehmen. Wie es aussieht, werden die Steuerzahler die Verlierer der 150-Mrd.-Dollar-Rettungsaktion sein.

Bei American International Group schwinden die Hoffnungen auf einen Verkauf von Geschäftsbereichen. Die Regierung könnte also in Erwägung ziehen, der Versicherung mit weiteren Hilfen unter die Arme zu greifen. Die großen Verlierer dieser Rettungsaktion, die bisher schon 150 Milliarden Dollar verschlungen hat, dürften die Steuerzahler sein. Aber selbst wenn der Konzern zu groß ist, um ihn einfach pleite gehen zu lassen, die Rettung darf nicht allein der Regierung überlassen bleiben. Auch andere Kreditgeber, die zum Teil selbst durch Regierungsmaßnahmen vor größeren Verlusten bewahrt wurden, müssen einen Teil der Anpassungslast tragen.

Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sprang die Regierung der Versicherung mit Krediten in Höhe von 85 Milliarden Dollar zur Seite. Im Oktober und November stockte sie die Hilfen noch einmal auf. Insgesamt erhielt AIG staatliche Unterstützung von 150 Milliarden Dollar: 60 Milliarden in Form von Krediten, 40 Milliarden gegen einen Aktienanteil von 79,9 Prozent am Unternehmen und 50 Milliarden zur Kapitalausstattung zweier Auffanggesellschaften für AIGs Problemwerte.

AIG versprach, den 60-Milliarden-Dollar-Kredit durch den Verkauf von Vermögenswerten zu tilgen. Dieses Ziel wirkte von Anfang an ambitioniert. Auch bei den potenziellen Käufern ist Kapital knapp. Und niemand ist bereit Spitzenpreise zu zahlen, wenn bekannt ist, dass der Verkäufer unter Druck steht.

Bisher konnte AIG duch den Verkauf von Unternehmensbestandteilen - darunter die AIG Bank, die HSB-Gruppe, Unibanco, das Lebensversicherungsgeschäft in Kanada und noch einige weitere - 2,2 Milliarden Dollar erlösen. Für die American Life Insurance Co. liegt nach Zeitungsberichten ein vorläufiges Angebot von MetLife über 11,2 Milliarden Dollar vor - ein Geschäftsbereich, der im vergangenen Herbst noch auf einen Wert von näher an 20 Milliarden Dollar geschätzt wurde.

Wenn den Käufern das Geld fehlt, könnte AIG Geschäftsbereiche in die Hände des Staates legen und auf diese Weise die Kredite tilgen. Aber den Staat zum Eigentümer von operativen Geschäftseinheiten zu machen ist keine gute Idee, zumal auch ihre Bewertung tückisch sein dürfte. Kaufinteressenten könnten die infrage kommenden Bereiche vielleicht im Tausch gegen eigene Aktien übernehmen, das aber würde bedeuten, dass der Staat zu guter Letzt auch Eigentümer dieser Unternehmen wird.

So viel zu den Krediten. Auch mit ihrer Aktienbeteiligung hat die Regierung schlechte Karten. Die Schwierigkeiten Geschäftsbereiche zu verkaufen und die geringen Gebote zwingen AIG noch mehr Einheiten zum Verkauf zu stellen als ursprünglich beabsichtigt. Das wiederum bedeutet, dass für die Aktionäre noch weniger bleibt.

Auch die AIG-Investoren haben erkannt, dass die Vermögenswerte des Unternehmens nicht ausreichen, seine Schulden zu decken. Die Aktien, die sich noch nicht im Staatsbesitz befinden, werden am Markt nur noch mit etwa 1,5 Milliarden Dollar bewertet. Das heißt, die 80-prozentige Beteiligung des Staates, für die er 40 Milliarden Dollar bezahlt hat, sind am Markt noch rund 6 Milliarden wert. Selbst wenn man annimmt, dass AIG die staatlichen Kredite von 60 Milliarden Dollar zurückzahlt und die "Bad Banks" die Gewinnschwelle erreichen - eine ambitiöse Annahme - folgt daraus bestenfalls, dass die Steuerzahler ein Viertel ihrer 150-Milliarden-Dollar-Hilfen verlieren.

Hinzu kommt, dass die Bilanz der Versicherungsgruppe nach dem Stand von Ende September auch Verbindlichkeiten gegenüber privaten Geldgebern in Höhe von 92 Milliarden Dollar enthält. Wenn der Staat also weitere Kapitalspritzen in Form von Vorzugs- oder Stammaktien geben muss, bedeutet das, dass sich die Steuerzahler mit ihren Ansprüchen hinter diesen Kreditgebern einreihen müssen. Anders ausgedrückt, weitere Staatshilfen heißen gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen.

Die führende Rolle AIGs als Versicherungskonzern und sein weitreichender Einfluss könnten die Regierung davon überzeugen, dass sie es nicht zulassen darf, das Unternehmen einfach untergehen zu lassen. Aber um der Steuerzahler Willen müssen die verbleibenden Aktionäre wie auch alle anderen Kreditgeber ihren Part dazu beitragen, die Kosten zu stemmen. Schließlich hatten Kreditgeber und Handelspartner seit der ersten Rettungsaktion fast sechs Monate Zeit, ihr Engagement zu reduzieren oder abzusichern. Wenn es einen Weg gibt, AIGs Wunden auszubrennen, dann sollten die damit verbundenen Schmerzen geteilt werden.

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