US-Finanzkrise
Teurer Schrumpfungsprozess

Selbst größte Pessimisten haben nicht mit solchen Dimensionen gerechnet: Das Debakel am US-Hypothekenmarkt könnte eine Billion Dollar kosten. Zu den erwarteten Verlusten auf dem Subprime-Markt kommen weitere Verluste aus unkonventionellen Darlehen. Abgerundet wird das Negativ-Bild durch rückläufige Immobilienpreise.

Welche Verluste wird der US-Hypothekenschlamassel den Gläubigern schließlich bescheren? Es könnten insgesamt eine Billion Dollar werden. Noch vor wenigen Monaten hätte man eine halb so große Summe als irrsinnig bezeichnet. Im Juli sprach Ben Bernanke noch von 50 bis 100 Milliarden. Der Federal-Reserve-Chef wurde von den Ereignissen überholt – Meldungen über Zahlungsverzüge und Wertberichtigungen bei Banken hinterließen bereits schmerzhafte blaue Flecken.

Inzwischen sprechen Pessimisten hinter vorgehaltener Hand über 300 bis 500 Milliarden Dollar. Auch diese Zahlen könnten sich aber noch als zu optimistisch erweisen. Insgesamt stehen etwa 1,5 Billionen Dollar Subprime-Schulden aus. Wie der Markt diese Schulden bewertet, lässt sich – näherungsweise – am Verlauf der ABX-Indices ablesen, die das Ausfallrisiko der Hypothekenanleihen nach Qualitätsstufen wiedergeben. Nach deutlichen Rückgängen im Oktober werden alle Hypothekenschulden außer der AAA-Serie unterhalb der 50%-Marke gehandelt.

Geht man von den gegenwärtigen Indexwerten aus und nimmt die schnell aufeinander folgenden Rating-Downgrades bei hypothekenbesicherten Wertpapieren hinzu, dann erscheint eine Abwertung der gesamten Vermögensklasse um 50 Prozent – Verluste also von 750 Milliarden Dollar – plausibel. Die Zahl mag übertrieben erscheinen, sie ist aber alles andere als unmöglich.

Die Kredite wurden zu wesentlich geringeren Ausfallrisiken und weitaus höheren Wiederverkaufswerten kalkuliert als sie der Markt heute hergibt. Die durchschnittlichen Immobilienpreise für Wohnungsbauten in den USA sind nach dem S&P-Case-Shiller-Index bereits um 5 Prozent gefallen und bei den hohen Beständen sind weitere Rückgänge so gut wie sicher. Mehr noch, viele der Kredite sind zweitrangige Hypotheken, deren Basiswert schon durch moderate Rückgänge der Immobilienpreise nahezu ausgelöscht werden könnte.

Dann gibt es da noch die Hypotheken im Wert von 1,5 Billionen Dollar, die zunächst zinsfrei oder sogar mit negativer Amortisation anlaufen und nach zwei oder drei Jahren mit entsprechend hohen Zinsen bedient werden müssen. Diese Darlehen halten noch einige Schocks für ihre Schuldner bereit. Sie umfassen auch einige Subprime-Kredite, die meisten jedoch gehören nicht in diese Kategorie. Mit Abstrichen in Höhe von 10 Prozent muss bei dieser Darlehensklasse gerechnet werden, also noch einmal 150 Milliarden Dollar. Schließlich stehen noch die Hypotheken zu Buche, die vor der Kreditkrise ganz normal und problemlos aussahen. Die Arbeitslosenquote muss nur wenig ansteigen, damit viele Schuldner in die Klemme geraten. Durch den gleichzeitigen Rückgang der Immobilienpreise sitzen einige in der Falle. Hier sind noch einmal Verluste in Höhe von 100 Milliarden Dollar plausibel.

Alles in allem kommt man so auf Wertberichtigungen von einer Billion Dollar über die nächsten fünf Jahre. Das entspräche einem Verlust von 9 Prozent des heutigen US-Hypothekenwerts von 11 Billionen Dollar. Als Preis für die Beseitigung der Kreditblase ein moderater Verlust. Für das Finanzsystem könnte sich die Bereinigung allerdings als deutlich größeres Problem erweisen.

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