US-Finanzminister
Hilfskraft gesucht

Amerika ist der schlimmsten Finanzkrise seit der Depression ausgeliefert. Und leider gibt es keine Präsidentschaftskandidaten, die auf diesem Gebiet unerfahrener wären als McCain und Obama. Wen sie zum nächsten US-Finanzminister küren, könnte vielleicht die Wahl entscheiden. Die beiden Anwärter sollten die Wähler wissen lassen, wen sie für das Amt im Sinn haben.

Amerika ist der schlimmsten Finanzkrise seit der Großen Depression ausgeliefert. Und der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein: Sie spielt sich nur zwei Monate vor einer Wahl ab, bei der zwei Kandidaten ins Weiße Haus vordringen wollen, deren Erfahrung für diese Art der Herausforderung nicht irrelevanter sein könnte. Zum ersten Mal in der moderneren Geschichte könnte dies eine Wahl sein, deren Ausgang davon abhängt, wen die Senatoren John McCain oder Barack Obama zum US-Finanzminister küren wollen.

Jeder Zweifel darüber, dass die derzeitige Diskussion das amerikanische Wirtschaftsleben mindestens in der ersten Hälfte der Amtszeit der nächsten Regierung beherrschen wird, sollte durch das Ansinnen des US-Finanzministeriums zerstreut worden sein, um etwa eine Bill. Dollar für seinen Rettungsplan zu ersuchen. Es steht zudem wohl außer Frage, dass die Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt und die damit einhergehenden Einschläge in der Finanzbranche eine Ära niedrigen Wachstums - wenn nicht der Rezession - für die US-Wirtschaft signalisieren.

Ausschlag gebend dafür, die Auswirkungen des Immobilienschlamassels abzumildern, wird die Umsetzung der Vorschläge des derzeitigen Finanzministers Hank Paulson sein, den Bodensatz an Papieren im Zusammenhang mit Hypothekendarlehen vom Finanzsektor aufzukaufen. Aber dabei handelt es sich nicht um eine ähnlich einfache Übung wie Anfang der neunziger Jahre, als die Resolution Trust Corporation die Krise um die amerikanischen Sparkassen bereinigt hatte. Paulsons Plan erfordert vielmehr eine umfassende Reform der Kapitalmärkte.

Selbst der erste MBA-Absolvent im Oval Office, Präsident Bush, hat sich kaum in der Steuerung der amerikanischen Finanzen hervorgetan. Der Großteil der Kreditblase wurde aufgebläht und ist geplatzt, während er der Wache schob. Das mag zwar stärker mit der Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve zusammenhängen, aber dennoch kann man sich nur schwer vorzustellen, wie Obama mit seiner Erfahrung als Gemeindehelfer oder McCain mit seinen Kriegserlebnissen dafür qualifiziert sein sollen, derartige Probleme anzupacken.

Neben der Aufgabe, das Land aus der Krise zu hieven, wird die neue Regierung darangehen müssen, eine umfassende Reform der Finanzmarktaufsicht voranzutreiben. Jahre der Vernachlässigung haben dazu geführt, dass die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission wenige fähige Mitarbeiter vorzuweisen hat und ihr sowohl im Kongress als auch in der Wall Street kaum mit Respekt begegnet wird. Die Fed hat unter Alan Greenspan die Aufsicht als ernst zu nehmende Aufgabe aufgegeben und ihr mangelt es an Kompetenz. Sich selbst regulierende Gruppen? Vergessen Sie es.

Deshalb wird die wichtigste innenpolitische Entscheidung der beiden Kandidaten darin bestehen, wen sie zum Finanzminister machen wollen. Und besser als damit zu warten, die fragliche Person erst dann zusammen mit den restlichen Kabinettsmitgliedern zu ernennen, nachdem sie gewählt worden sind, sollten die Kandidaten den Wählern gleich jetzt mitteilen, wer die amerikanische Wirtschaft retten wird. Wenn sie an jemanden Bestimmten denken, sollten sie das die Wählerschaft wissen und sie die auserkorene Person beurteilen lassen. Wenn nicht, nun - das wäre noch viel beängstigender.

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