US-Geldpolitik
Billiges Geld: Wenn die Druckerpresse brummt

Die enorm gestiegenen Erstanträge auf US-Arbeitslosenversicherung und die sich ausweitenden Etat- und Handelsbilanzfehlbeträge sind weitere Beweise für die verzögert einsetzenden Kosten einer durch die Politik des billigen Geldes herbeigeführten Übertreibung.

Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenversicherung sind so hoch wie seit 26 Jahren nicht mehr. Innerhalb von zwei Monaten ist in den USA ein Etatdefizit über 400 Mrd. Dollar aufgelaufen, und der Handelsbilanzfehlbetrag beläuft sich auf immer noch 700 Mrd. Dollar jährlich. Diese Entwicklungen beweisen einmal mehr, wie gewaltig die mit Verzögerung einsetzenden Folgen einer durch die Politik des billigen Geldes herbeigeführten Übertreibung sind. Die Kosten derartiger Blasen übersteigen deren Nutzen, da eine überhastete monetäre Expansion die Bewertungsmaßstäbe verzerrt und zu törichten Entscheidungen führt.

Im Juli 2001 hatte der damalige Chairman der US-Notenbank Federal Reserve, Alan Greenspan, seiner Zuversicht Ausdruck verliehen, dass die wirtschaftlichen Vorteile der von 1995 bis 2000 dauernden Überhitzung die Kosten wert waren, die im nachfolgenden Abschwung zu tragen waren. Seine Argumentation erschien plausibel. Die Flaute von 2001 war nicht sonderlich ausgeprägt und die vorhergehende Spekulationsblase hatte enorme wissenschaftliche Fortschritte mit sich gebracht, ja sogar eine globale Wirtschaftsrevolution.

Allerdings war die Milde der Verlangsamung von 2001 weitgehend auf Greenspans schnelle und aggressive expansive Geldpolitik zurückzuführen, mit der er bewusst einen Preisauftrieb herbeiführte, um eine Deflation zu vermeiden. Seine Reflation brachte eine zweite Blase hervor - auf dem Immobilienmarkt -, von der allerdings weit weniger günstige Auswirkungen ausgingen. Im Nachhinein erscheinen die Vorteile dieser Auswüchse zusammen genommen bescheiden, wenn man sie gegen die Kosten aufrechnet. Die Internet-Technologie hat sich vielleicht schneller verbreitet als dies sonst der Fall gewesen wäre und sie hat den Lebensstandard in armen, bevölkerungsreichen Ländern entscheidend verbessert. Allerdings hätte eine Wirtschaft ohne Verzerrungen die Innovationen der an Übertreibungen reichen Ära, wie etwa eine effiziente Internet-Suche, nur unerheblich verzögert. Es ist zudem äußerst fraglich, ob die Schwemme billiger Behausungen aus dem jüngsten Boom den Erfordernissen Amerikas in einer sich dem sinnvollen Umgang mit Energie bewusster werdenden Welt entspricht.

Die Kosten der Blasen zeigen sich immer deutlicher. Die US-Arbeitslosigkeit steigt in einem Tempo, das zuletzt 1982 verzeichnet worden war. Wenn die Parallele Stand hält, dann dürfte sie bei etwa 10,8 Prozent ihre Spitze erreichen. Das Etatdefizit von 400 Mrd. Dollar in den ersten beiden Monaten des laufenden Fiskaljahrs deutet darauf hin, dass Fehlbeträge über eine Bill. Dollar in den Fiskaljahren 2009 und 2010 wahrscheinlich nicht zu vermeiden sind. Das wird enorme wirtschaftliche Kosten mit sich bringen und den Privatsektor beim Sammeln von Kapital verdrängen. Die Handelszahlen lassen darauf schließen, dass die US-Einzelhandelsumsätze immer noch weiter fallen müssen; die realen Importe lagen im Oktober bei plus sechs Prozent, woraus sich ableiten lässt, dass der US-Konsum weiterhin exzessiv ist.

Maßeinheiten wie die Unze und das Jahr täglich neu zu variieren, würde der Wirtschaft hohe langfristige Kosten aufbürden, wie groß auch immer der kurzfristige Nutzen eines derartigen Vorgehens sein könnte. In ähnlicher Weise ist Geld sowohl ein Bewertungsinstrument als auch eine Wertanlage. Eine überzogen schnelle Geldschaffung verzerrt die Messungen der an der Wirtschaft Teilhabenden und bringt Exzesse bei Aktien, Immobilien und Rohstoffen hervor, die sich auf lange Sicht nicht aufrecht erhalten lassen und höchst zerstörerisch wirken.

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