US-Großbank
Citigroup: Mehr Sein als Schein

Der Quartalsgewinn der Citigroup deckt kaum die Vorzugsdividenden ab. Lässt man Bilanzierungsvorteile und den Gewinn aus dem Verkauf von Redecard außer Acht, dann hat die Megabank einen Verlust verbucht. Doch zur Abwechslung zeigte sich die Bank einmal nicht in den roten Zahlen und wies ihr bestes Ergebnis seit mehr als einem Jahr aus.
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Citigroup hat endlich mal wieder Geld verdient. Nach fünf Quartalen mit Verlusten über mehrere Milliarden Dollar, nach zwei Kapitalspritzen und einer staatlichen Teilgarantie für etwa 300 Mrd. Dollar an Vermögenswerten ist dies eine Erleichterung - nicht zuletzt für den belagerten Chef der Megabank, Vikram Pandit. Aber der Gewinn über 1,6 Mrd. Dollar, den das angeschlagene Finanzinstitut für die ersten drei Monate des Jahres ausgewiesen hat, ist nicht so gut, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Zunächst reicht er fast nicht aus, um die Dividendenzahlungen über 1,3 Mrd. Dollar an die Vorzugsaktionäre abzudecken, zu denen auch das US-Finanzministerium gehört. Natürlich werden die meisten von ihnen diese Wertpapiere bald in Stammaktien wandeln - abgesehen von den Vorzugsaktien der Abu Dhabi Investment Authority, die erst im kommenden Jahr gewandelt werden. Dies wird die Dividende kräftig drücken, allerdings mit dem Nachteil, dass die derzeitigen Aktionäre einer Verwässerung ausgesetzt werden, da sich die Anzahl der Stammaktien vervierfacht.

Aber die Citigroup musste ohnehin schon kämpfen, um überhaupt Geld zu machen. Der Verkauf ihres Restanteils an der brasilianischen Kreditkartengesellschaft Redecard brachte 700 Mill. Dollar ein. Auch die Bilanzierungsrichtlinien kamen der Bank zu Hilfe: rund zwölf Prozent bzw. 2,9 Mrd. Dollar der gesamten Einnahmen des Instituts resultierten aus Gewinnen, die bei der Neubewertung ihrer eigenen Verbindlichkeiten entstanden. Selbst wenn man annimmt, dass Ausgaben und Steuern diese Einnahmen in demselben Ausmaß wie für die Citigroup insgesamt wieder ausglichen, dann wird der Quartalsgewinn der Bank fast ausgelöscht, wenn man den Redecard-Verkauf und die Bilanzierungsvorteile herausrechnet.

Außerdem wurde noch eine Reihe kleinerer außerordentlicher Posten verbucht - 250 Mill. Dollar, die aus den Reserven herausgelöst wurden, die für Prozesskosten beiseite gelegt worden waren, und ein Steuernachlass von 110 Mill. Dollar, was angesichts der Höhe der Regierungsbeihilfen fast schon ironisch anmutet. Sicher handelt es sich dabei wenigstens um Geld, das die Bank in der Vergangenheit verdient hat, aber es beschönigt dennoch das Quartalsergebnis.

Und der eine oder andere Posten sieht seltsam aus. Die Citigroup hat ihre Reserven nur um 2,1 Mrd. Dollar erhöht, während aber gleichzeitig die Ausfälle bei Unternehmen und Verbrauchern um 4,5 Mrd. Dollar zunahmen - auch wenn die Bank argumentiert, sie habe am Ende des vergangenen Jahres den Reserven mehr zugeführt, da sie erwartet hatte, dass die Verluste im ersten Quartal höher ausfallen. Noch interessanter ist, dass die Gesamtkosten bei der Investmentbank mit 2,8 Mrd. Dollar auf das Jahr hochgerechnet um ein Drittel geringer ausgefallen sind als im Vorjahr und nur 40 Prozent der Quartalseinnahmen ausmachten. Goldman Sachs, zum Beispiel, hat die Hälfte der Einnahmen nur für die Vergütung reserviert. Das impliziert, dass die Citigroup entweder ihre Vergütungspolitik geändert hat oder später im laufenden Geschäftsjahr höhere Ausgaben haben wird.

Alles in allem steckt weniger hinter dem ersten Gewinn der Citigroup unter Pandit als es zunächst erscheinen mag. Aber zur Verteidigung der Bank möge gesagt werden, dass dies, selbst nach Herausrechnung der Sonderposten, das beste Ergebnis seit langem ist.

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