US-Hypothekenrettung
Ein Bärendienst

In Schwierigkeiten geratene US-Hauseigentümer sollten sich keine Rettung nach dem Muster von Bear Stearns wünschen. Sie würden dabei wahrscheinlich schlechter abschneiden als bei den gegenwärtigen Hilfsmaßnahmen. Zudem hat der jähe Rückgang des Libor vorerst das Risiko eines kräftigen Anstiegs ihrer Zinszahlungen abgewendet.

Die von der Regierung gestützte Übernahme von Bear Stearns durch JP Morgan lässt bei vielen Hauseigentümern, die Schwierigkeiten mit der Abzahlung ihrer Hypotheken haben, Neid aufkommen. Schließlich sitzen sie schon seit Monaten auf glühenden Kohlen und versuchen, eine Zwangsversteigerung abzuwenden, während sich die US-Notenbank Federal Reserve und eine der am besten mit Kapital ausgestatteten Banken des Landes unverzüglich und mit geballter Kraft auf die Rettung der Wall Street-Firma stürzten, kaum war diese in die Krise geraten. Eine Gruppe verstimmter Hauseigentümer hat gerade vor und in der New Yorker Zentrale von Bear Stearns gegen diese scheinbare Ungerechtigkeit protestiert. Aber was würde passieren, wenn die einzelnen Darlehensnehmer eine der Bear-Rettung vergleichbare Behandlung erführen?

Nun, erstens einmal, wären sie dann nicht mehr im Besitz ihres Hauses. Würde der Deal auf Basis der Bear-Rettung durchgezogen, dann würde der neue Besitzer dem Hauseigentümer etwas über ein Zehntel des derzeitigen Werts seines Eigenkapitals zahlen – falls solches überhaupt vorhanden. Im Gegenzug würde auf jeden Fall die Hälfte seiner Familie hinausgeworfen und durch eine Reihe von neuen Gesichtern ersetzt werden, die nicht nur kommen und gehen würden, wie es ihnen gerade passt, sondern die auch die Wohnung komplett neu gestalten und dem Hausbesitzer auftragen würden, was er in der Küche, die ihm einmal gehört hat, kochen soll.

Sicher, der neue Besitzer würde auch die Schulden des Eigentümers garantieren. Und das wäre immerhin besser als auf einem schlechten Bonitätsausweis sitzen zu bleiben. Aber der Neue würde auch jegliche Erlöse aus dem Verkauf des Hausrats einsacken.

Vergleichen wir dies einmal mit der Unterstützung, die die Kreditnehmer jetzt schon beanspruchen können. Die Gläubiger senken die Zinszahlungen und kürzen den Betrag an Schulden, den die Hauseigentümer zurückzahlen müssen. Und Onkel Sam hat sogar versprochen, dass sie auf den Betrag, den sie so einsparen, keine Kapitalgewinnsteuer entrichten müssen. Die Kapitalgeber versuchen, die Darlehensnehmer schon Monate im Voraus zu erreichen, bevor eine Erhöhung der Zahlungen sie empfindlich treffen könnte. Und denen, die bereits in Verzug geraten sind, wird sogar eine Gnadenfrist gewährt. Bear war nicht so gut weggekommen.

Darüber hinaus brauchen viele Schuldner diese Hilfen vielleicht gar nicht. Wenn Zinserhöhungen, die nach zwei oder drei Jahren der Laufzeit der Hypothek eingeplant sind, das Problem sind, dann hat sich dies – zumindest vorerst – schon von selbst erledigt: Der Libor, an den US-Hypothekendarlehen mit variablem Zins gekoppelt sind, ist in diesem Jahr so stark gefallen, dass die neu angepassten Zahlungen nicht viel höher als die anfänglichen Lockzinsen ausfallen – sie könnten sogar auf demselben Niveau liegen. Natürlich lösen sich damit nicht für jeden die Hypothekenprobleme einfach in Luft auf. Aber dies klingt doch allemal besser, als die Haustürschlüssel einer Horde anmaßender Fremder übergeben zu müssen.

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