US-Immobilienmarkt
Doch kein Fass ohne Boden

Eigenheim-Verkäufe und Neubaubeginne haben im Juni in den USA zugenommen. Allerdings liegen die Neubaubeginne immer noch weit unter den Tiefständen vorhergehender Zyklen und das Verkaufsniveau wird durch fiskal- und geldpolitische Subventionen gestützt. Die Bodenbildung scheint erkennbar zu sein, das Ende der Flaute ist es noch nicht.
  • 0

Es gibt Ungewöhnliches zu melden: Gute Neuigkeiten vom US-Immobilienmarkt. Der Verkauf neuer Eigenheime ist im vergangenen Monat um elf Prozent gestiegen. Der Verkauf bestehender Häuser und die Neubaubeginne haben sich gegenüber dem Vormonat um jeweils 3,6 Prozent erhöht. Vor zu großem Optimismus wird allerdings gewarnt. Die Neubaubeginne liegen immer noch weit unter den Tiefständen vorhergehender Zyklen, während das Verkaufsniveau von fiskal- und geldpolitischen Subventionen gestützt wird. Diese haben zwar eine Bodenbildung herbeigeführt, aber sie werden den fortgesetzten Schwierigkeiten auf dem Immobilienmarkt kein Ende setzen.

Die Daten zu den Verkäufen neuer Eigenheime im Juni sehen nur so lange ermutigend aus, bis man sie mit vorhergehenden Immobilienflauten vergleicht. Um den Bevölkerungszuwachs bereinigt lagen die Verkaufszahlen für Juni immer noch unter dem schlimmsten in einem Baissemarkt erreichten Tief, seitdem 1959 die ersten Aufzeichnungen vorgenommen worden waren: Dieses hatte sich im September 1981 eingestellt, als 30jährige Hypothekendarlehen 18,16 Prozent kosteten. Auch die Neubaubeginne bleiben weit hinter ihren selbst in den ausgeprägtesten früheren Rezessionen erreichten Tiefs zurück.

Darüber hinaus ist die derzeitige Aufwärtsbewegung bei den Verkäufen neuer Häuser nur durch massive fiskal- und geldpolitische Unterstützung erreicht worden, darunter die Beihilfen der US-Notenbank Fed von über einer Bill. Dollar für Hypothekenwertpapiere, Subventionen für die Refinanzierung von Hypothekenkrediten, bei denen eine Zwangsvollstreckung droht, und eine steuerliche Förderung über 8000 Dollar für Ersterwerber von Eigenheimen, die im November ausläuft.

Diese politischen Maßnahmen scheinen ihr Ziel erreicht zu haben, die Häuserpreise und den Häusermarkt abzufangen. Das bringt beträchtliche wirtschaftliche Vorteile mit sich, da die unablässig fallenden Preise einen steigenden Prozentsatz an Hypothekenverbindlichkeiten hinsichtlich der Eigenkapitaldecke in negatives Territorium getrieben haben. Die derzeitige Erholung muss also mit Vorbehalt betrachtet werden. Schließlich würde ein Einstellen der monetären oder fiskalischen Beihilfen, das notwendig werden könnte, wenn sich die Arbeitsmarktsituation weiter verschlechtert, den Immobilienmarkt wieder nach unten ziehen.

Natürlich wird die weitere Entwicklung von Region zu Region unterschiedlich ablaufen. Auf US-Bundesstaaten wie Arizona, Nevada und Kalifornien, in denen zu viel gebaut wurde und in denen sich die Preise um fast 50 Prozent verringert haben, dürften massive Zwangsversteigerungen und Marktbelastungen zukommen, bevor ein Aufwärtstrend Fuß fassen kann. Makroökonomische Faktoren in Bundesstaaten wie Michigan, Rhode Island und Oregon, die eine Arbeitslosenquote von über zwölf Prozent vorweisen, werden eine Verbesserung behindern.

Andererseits könnten sich einige Regionen wie Texas, wo die Wirtschaft in einer relativ positiven Verfassung ist und die Preise sich nur moderat ermäßigt haben, oder das Gebiet um Washington D.C., wo das Wachstum des Regierungsapparats die Märkte stützt, schneller erholen.

Insgesamt war die Stabilisierung des Immobilienmarkts, die zum Teil über Anordnungen der Regierung in die Wege geleitet wurde, notwendig, um einen umfassenderen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu vermeiden. Aber jeder, der erwartet, dass der Immobiliensektor einen Aufschwung anführen könnte, unterliegt einem schweren Irrtum.

Kommentare zu " US-Immobilienmarkt: Doch kein Fass ohne Boden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%