US-Inflation
Bernankes Fenster

Die Erzeuger- und Verbraucherpreisindizes in den USA sind im Oktober gefallen. Während zwar ein Großteil dieser Abwärtsbewegung auf die sinkenden Rohstoffpreise zurückzuführen ist, wird die Teuerung doch erst dann wieder zurückkehren, wenn die Produktion die Talsohle erreicht hat. Daher kann die US-Notenbank Geld drucken, bis sich die Wirtschaft stabilisiert. Aber dann muss sie zu einem schnellen Kurswechsel bereit sein.

Die Erzeuger- und die Verbraucherpreisindizes in den USA sind im Oktober gefallen. Während ein Großteil dieser Abwärtsbewegung auf die sinkenden Rohstoffpreise zurückzuführen ist, wird die Teuerung erst dann wieder auftauchen, wenn die Produktion die Talsohle erreicht hat. Daher steht der US-Notenbank Fed ein Zeitfenster offen, um die Lieblingspolitik von Fed-Chef Ben Bernanke zu verfolgen: Geld zu drucken, bis sich die Wirtschaft stabilisiert. Dann muss die Fed aber eine schnelle Kehrtwende hinlegen.

Seitdem am 5. November der unerwartet starke Rückgang des Index des Institute for Supply Management für Oktober bekannt gegeben worden ist, ist eindeutig, dass sich die wirtschaftliche Wertschöpfung in Amerika deutlich abschwächt. Jüngst veröffentlichte Indikatoren haben diese Erkenntnis weiter untermauert. Während sich zwar die Industrieproduktion moderat erholte, zeigten die Barometer für den Immobiliensektor Rekordtiefs an, wobei im Wohnungsbau der tiefste Stand seit 50 Jahren erreicht wurde.

Die Fed reagiert darauf nicht nur mit nominalen Zinssenkungen, sondern auch indem sie es zulässt, dass sich die Fed Funds von ihrem Zielsatz wegbewegen - der Satz für Tagesgeld wurde zwischen 0,22 Prozent und 0,38 Prozent gehandelt, seitdem sich der Offenmarktausschuss der Fed zuletzt am 29. Oktober getroffen hatte. Damit liegt er weit unter dem Zielsatz von einem Prozent. Weitere explizite Zinsrücknahmen sind überflüssig geworden, da sich die Fed zu direkten Liquiditätsspritzen entschlossen hat.

Die Versuche der US-Notenbank, die Wirtschaft über diese monetäre Expansion dazu zu bewegen, so schnell wie möglich die Talsohle auszuloten, erscheinen angemessen. Da die Produktion nachgibt, können Preissenkungen der Hersteller erwartet werden, die verzweifelt ihren Absatz halten wollen. Der inflationäre Druck sollte daher vorerst minimal bleiben - während auf der Habenseite die Wirtschaft ausreichend kräftig sinkt, so dass sie auf die Talsohle gestoßen sein dürfte, bevor die Deflation Fuß gefasst hat.

Wenn dieses Tal allerdings erst einmal erreicht worden ist, dann wird der Inflationsdruck zurückkehren. Die Geldmenge war ohnehin schon rasant im Steigen begriffen - das maßgebliche Barometer der Fed von St. Louis zeigt ein Plus um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und weil die Fed ihre Bilanz um 1,3 Bill. Dollar ausgeweitet hat, hat sich der Teuerungsdruck zusätzlich intensiviert. Wenn sich erst einmal die Produktion bei reduzierter Kapazität stabilisiert, wird dies die deflationären Kräfte vermindern und überschüssiges Geld wird zum Inflationstreiber. An diesem Punkt muss die Fed bereit stehen, um ihren Kurs zu ändern und die Zinsen schnell anzuheben, um die Teuerung zu zügeln.

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