US-Investmentbanken
JP Morgan: Das Glücksrad dreht sich

Während des letzten großen Abschwungs wurde JP Morgan durch die miserable Entwicklung ihrer Investmentbank und eine konfuse Strategie im Privatkundengeschäft lahm gelegt. Unter der Leitung von Jamie Dimon hat die Bank beide Problembereiche saniert und ist zu einer der Gewinnerinnen der Branche avanciert. Die große Herausforderung besteht darin, dafür zu sorgen, dass dies so bleibt.
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JP Morgan hat sich während der Kreditkrise recht gut geschlagen. Das sollte den angeschlagenen Branchenkollegen Mut machen. Schließlich war die Bank während des letzten großen Abschwungs durch die miserable Entwicklung ihrer Investmentbank und eine miserable Strategie im Privatkundengeschäft lahm gelegt worden. Unter der Leitung von Jamie Dimon hat JP Morgan aus ihren Fehlern gelernt und beide Problembereiche saniert.

Welches Problem in den schweren Tagen nach dem Platzen der Internetblase die Märkte auch immer heimsuchte, man konnte fast sicher davon ausgehen, dass JP Morgan mitten drin steckte: Kreditverluste, eine übertrieben starke Ausrichtung der Private-Equity-Portfolios auf Telekom - und Technologieunternehmen, oder die Kursschwankungen an den Märkten, die den Eigenhandel auf dem falschen Fuß erwischten. Die Lage verdüsterte sich so sehr, dass JP Morgan damals gar zu den wenigen Finanzfirmen zählte, deren Aktien unter dem Niveau des um immaterielle Vermögenswerte bereinigten Buchwerts gehandelt wurden.

Den Umschwung brachte ein verbessertes Risikomanagement. Der offensichtlichste Beweis dafür ist, dass die Handelsbereiche jetzt routinemäßig gute Ergebnisse vorweisen - der Handel mit Festverzinslichen brachte im Berichtsquartal sogar Rekordeinnahmen von 4,9 Mrd. Dollar ein. Aber es zeigt sich auch anhand der Geschäfte, von denen JP Morgan die Finger lässt. So hat sich die Bank zum Beispiel trotz ihrer Sachkenntnisse bei Derivaten und strukturierten Instrumenten bei CDOs, also Wertpapieren, die mit einem Pool von Anleihen und Krediten unterlegt sind und die andere Branchenvertreter in Schwierigkeiten gebracht haben, weitgehend zurückgehalten.

Der Ruf des Instituts hat sich mittlerweile so stark gewandelt, dass seine Investmentbanker Gebühren über 2,2 Mrd. Dollar einfahren konnten - das sind 50 Prozent mehr als bei Goldman Sachs und mehr als irgendeine Bank jemals in einem Quartal erreicht hat.

Was das Privatkundengeschäft angeht, so lag das Problem mit der früheren Chase darin, dass die Führungsspitze schon vor der Fusion mit JP Morgan im Jahr 2000 nicht mehr genau wusste, was mit der Bank eigentlich anzufangen sei. Doch als dann die Investmentbank unter Druck geraten war, demonstrierte Chase letztendlich ihren Wert durch ihre Ertragskraft. Zusätzliches Gewicht erhielt der Privatkundenbereich durch die Fusion von JP Morgan mit der Bank One im Jahr 2004. Damals kam auch Jamie Dimon an Bord. Und jetzt, nachdem auch das entsprechende Geschäft von Washington Mutual integriert ist, verbucht das Privatkundensegment einen Nettogewinn im Quartal von fast einer Mrd. Dollar.

JP Morgan ist natürlich von der Krise nicht unberührt geblieben: Hypothekendarlehen und Übernahmefinanzierungen fügten allen beteiligten Firmen Schäden zu. Und das Kreditkartengeschäft und Verbraucherkredite führten bei der Bank im Berichtsquartal zu Einbußen über zusammen mehr als 1,6 Mrd. Dollar. Aber JP Morgan scheint sich mit diesen Problemzonen konstruktiv auseinander gesetzt zu haben. Dies hat Dimons Bank zu einer der Gewinnerinnen der Krise gemacht. Die nächste große Probe für Dimon besteht darin, dafür zu sorgen, dass dies auch so bleibt.

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