US-Kongress greift Notenbankchef an
Bernanke übersteht Kreuzfeuer unbeschadet

Der US-Notenbankchef Ben Bernanke hat sich gut gehalten, obwohl ihn Kongressabgeordnete wegen der Akquisition von Merrill Lynch durch die Bank of America schwer unter Beschuss nahmen. Bernanke ist an den daraus entstandenen Problemen nicht schuld, für sie ist nach wie vor BofA-Chef Ken Lewis verantwortlich.
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Ben Bernanke ist einem Kugelhagel entkommen. Der Chairman der US-Notenbank Federal Reserve war am Donnerstag vor dem Kongress vernichtender Kritik ausgesetzt gewesen. Die Gesetzgeber wollten ihm die Schuld an den Auswirkungen der Akquisition von Merrill Lynch durch die Bank of America (BofA) zuschieben. Aber alle ihre Versuche, den Zentralbankchef in den Streit hineinzuziehen, scheiterten. Den Deal hat nach wie vor BofA-Chef Ken Lewis zu verantworten.

Die Kritiker Bernankes waren bis an die Zähne bewaffnet. Die Gesetzgeber fanden eine E-Mail von Jeffrey Lacker, einem der regionalen Fed-Chefs. Sie gibt eine Unterhaltung mit Bernanke wieder, während der der Fed-Chairman angeblich drohte, Bofa-Chef Lewis und seinen Board vor die Tür zu setzen, wenn sie die Akquisition von Merrill nicht zu Ende bringen. Nach Meinung der Kongressabgeordneten zeige dies, dass die Fed die Fäden gezogen hat und daher für die Folgen der Transaktion verantwortlich ist.

Bernanke setzte entgegen, er habe die Entscheidung, mit dem Deal fortzufahren, nachdem die Verluste von Merrill im Dezember zu Tage getreten waren, Lewis überlassen. Die Idee, die BofA dazu zu überreden, das Vorhaben zu Ende zu bringen, sei in dem Gespräch mit Lacker nur eine unter vielen Optionen gewesen.

Die vehementen Kritiker Bernankes scheinen mit ihren Argumenten schief zu liegen. Denn selbst wenn Bernanke die BofA gedrängt hätte, den Abschluss mit Merrill zu besiegeln, wäre dies gerechtfertigt gewesen. Schließlich hatte die US-Regierung bis Januar schon etwa 45 Mrd. Dollar in die Bank gesteckt. Vor diesem Hintergrund war es nicht überzogen, im Auftrag des Steuerzahlers auf ein Mitspracherecht bei der Zusammensetzung des Managements und bei der strategischen Entscheidungsfindung zu pochen. Wenn sich die Fed passiv verhalten hätte, hätte die Notenbank vielmehr ihre treuhänderischen Pflichten gegenüber den amerikanischen Steuerzahlern nicht vollständig erfüllt.

Die einzig wirklich belastende Behauptung, die während der Anhörungen vor dem Kongress aufgestellt wurde, war, dass Bernanke Lewis angewiesen habe, den BofA-Aktionären Informationen über den Deal vorzuenthalten, um sie so zur Billigung der Akquisition zu bewegen. Wenn dies der Wahrheit entspräche, wäre eine solche Anklage ein echter Knüller - sie würde die Fed gegen die Securities and Exchange Commission in Stellung bringen, die für die Überwachung der Offenlegung von relevanten Unternehmensergebnissen und - nachrichten zuständig ist. Aber es kamen keine Beweise dafür ans Licht.

Bernanke hat das Kreuzfeuer der Abgeordneten also weitgehend unbeschadet überstanden. Sein Vermächtnis als Zentralbankchef muss erst noch beurteilt werden. Doch seine Bemühungen zu verhindern, dass Merrill Lehman Brothers in den Abgrund folgt, scheinen mit den besten Absichten verfolgt worden zu sein. Die darauf folgenden Probleme und jegliche Lücken, die Offenlegung von Informationen an die Aktionäre von BofA betreffend, gehen zu Lasten der BofA - und deren Chef, Ken Lewis.

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