US-Konjunktur
Die wunderbare Stellenvermehrung

Die Statistiker haben in den USA das Beschäftigungsminus vom August wie mit magischer Hand in ein Plus revidiert und im September einen Zuwachs von 110 000 Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft gezählt. Das dürfte die Rezessionsängste für eine Weile verbannen. Das Spiel ist damit aber noch lange nicht gewonnen.

Wenn nur die Statistiker immer alles Unangenehme wegrevidieren könnten! Als die Zahl der Beschäftigten in den USA außerhalb der Landwirtschaft für August zuerst veröffentlicht worden war, zeigte sich ein Rückgang um 4 000 Stellen. Das war die erste monatliche Verringerung seit 2003. Sofort setzten Spekulationen über eine Rezession ein, der Tagesgeldsatz wurde um 50 Basispunkte gekürzt. Aber dank der Magie statistischer Revisionen hat sich der Rückgang in eine Vermehrung um 89 000 Arbeitsplätze gewandelt. Und es kommt noch besser: Im September wurde ein Plus von 110 000 Beschäftigten gezählt.

Die Aufwärtsrevision dürfte die Rezessionsängste für eine Weile verbannen. Das Spiel ist damit aber noch lange nicht gewonnen. Die neu geschaffenen Stellen finden sich vorwiegend im Dienstleistungssektor, der eine relativ geringe Produktivität aufweist.

Im August und September ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor, wo die Produktivität hoch ist, um 99 000 gesunken. Und der gesamte Zuwachs um 199 000 Jobs in den vergangenen zwei Monaten entspricht bestenfalls einer mäßigen Steigerung des Bruttoinlandsprodukts.

Da sich die Flaute auf dem Immobilienmarkt verstärkt, dürfte sich selbst diese moderate Zuwachsrate nur schwer aufrechterhalten lassen. Schließlich hatten steigende Immobilienpreise von 2002 bis 2006 sieben Bill. Dollar zum Nettovermögen der privaten Haushalte beigetragen und damit den Konsum angetrieben. Weiter fallende Hauspreise könnten die Konsumneigung und damit das Wachstum untergraben.

Am Aktienmarkt mögen sich die Anleger zwar zunächst über die etwas besseren Konjunkturdaten gefreut haben. Allerdings müssen sie jetzt befürchten, dass die US-Notenbank wegen des relativ starken Stellenzuwachses von einer weiteren Zinssenkung absieht. Und es besteht immer das Risiko, dass nach der nächsten Revision all die neuen Jobs plötzlich wieder verschwunden sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%