US-Leitzinsen
Bernanke macht es nur schlimmer

Fed-Chef Ben Bernanke füttert die Märkte mit fast 450 Milliarden Dollar. Als Nachschlag gibt es dann noch eine Zinssenkung über 75 Basispunkte obendrauf. Aber die US-Wirtschaft braucht eine Diät und Leibesübungen, anstatt immer neue Leckereien serviert zu bekommen. Sie wird schlecht in Form bleiben, sollten sich nicht einige Dinge grundlegend ändern. Eine Analyse.

Die US-Wirtschaft hat sich gehen lassen, sie braucht eine Diät und Leibesübungen, anstatt immer neue Leckereien aufgetischt zu bekommen. Das spricht sich langsam auch innerhalb der Zentralbank selbst herum, wie sich an dem äußerst ungewöhnlichen Schauspiel ablesen lässt, dass zwei Mitglieder des Offenmarktausschusses gegen die Zinsrücknahme gestimmt haben. Es wäre das Beste, wenn diese Abtrünnigen ihre Kollegen davon überzeugen könnten, einen maßvolleren Ansatz zu wählen.

Die US-Wirtschaft stagniert und die Inflation bewegt sich schnell über die Marke von fünf Prozent hinweg. Allerdings ist dies nicht das Ergebnis akuten Geldmangels. Die realen Zinsen sind seit einem Jahrzehnt niedrig, sie haben die Aktienmärkte und die spekulative Immobilienblase aufgebläht. Ihr jüngstes Absacken in den Minusbereich trägt alle Anzeichen für ein Wiederaufflammen der Verbraucherpreisinflation.

Der US-Aktienmarkt zeigt sich zwar nur knapp über seinem langfristigen durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis, aber die Unternehmensgewinne nähern sich hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts einem historischen Rekordhoch. Der S&P-500-Index hat gegenüber seinem historischen Hoch im vergangenen Jahr nur 17 Prozent verloren, während der japanische Nikkei-225-Index – obwohl nur am Rande von der Kreditkrise tangiert – gegenüber seinen 2007 erreichten Höchstständen um 35 Prozent nachgegeben hat.

Die Fed sagt, „einige Indikatoren für die Inflationserwartungen haben sich erhöht“. Dem wird sicher nicht abgeholfen, indem man den Zielsatz für Fed Funds auf ein Niveau von mehr als zwei Prozent unter der derzeitigen Teuerung absenkt. Solange die Zinsen so niedrig sind, wird die US-Sparquote unangemessen und die unproduktive Spekulation exzessiv bleiben – was später zu enormen Verlusten führen wird, die auf den Steuerzahler zurückfallen werden -; die Energie- und Rohstoffpreise werden in die Höhe schießen und der Dollar wird seinen Sinkflug fortsetzen. Niedrige Zinsen mögen den Immobilienmarkt stützen, aber wenn man diese Spekulationsblase wieder aufbläht, handelt man sich später zusätzliche Unannehmlichkeiten ein.

Die US-Wirtschaft braucht eine Diät der monetären Strenge, die sie zu verstärkten produktiven Anstrengungen, geringerer Konsumträgheit und verstärkten, der Gesundheit zuträglichen Ersparnissen führt. Je früher, desto besser.

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